von THORSTEN DAMBECK
Diamanten sind nicht nur als Schmuck beliebt, sondern verleihen auch Sinnsprüchen ihren Glanz: „Tugend und Laster sind verwand wie Kohle und Diamant“, reimte der österreichische Satiriker Karl Kraus. „Ein Diamant ist ein Stück Kohle, das sich unter Druck verbessert hat“, soll hingegen der 2023 verstorbene US-Politiker Henry Kissinger den schönen Schein kommentiert haben. Beide Zitate enthalten etwas Richtiges. Tatsächlich bestehen Kohle und Diamant zumindest mehrheitlich aus Kohlenstoff-Atomen – sie sind somit chemische Verwandte. Und bei der Entstehung von Diamanten spielt hoher Druck eine wichtige Rolle.
Wissenschaftler wissen noch längst nicht alles darüber, wie Diamanten entstehen. Dass sich die wertvollen Glitzersteine aus Kohle bildeten, ist aber ein Irrtum. Sie stammen aus viel tieferen Erdschichten als die Kohleflöze: aus mindestens 150 Kilometer Tiefe. Das Gestein dort gehört zum Erdmantel. Er ist gleichsam das mittlere Stockwerk unseres Planeten und umgibt den metallischen Kern in der Erdmitte. Bereits vor Äonen herrschten im oberen Teil des Mantels in puncto Temperatur und Druck die passenden Bedingungen, um dort aus Kohlenstoff Diamanten zu backen. Als später Teile des Mantelgesteins aufschmolzen und nach oben drängten, führten sie die kostbaren Produkte mit sich. Und als Magma zur Oberfläche durchbrach – es also zu Vulkanausbrüchen kam –, traten auch die Diamanten zu Tage.
Geologen nennen diesen speziellen Typ von diamanthaltigem Vulkangestein Kimberlit; weltweit sind rund 6.000 Fundstätten bekannt. Die meisten liegen im südlichen Afrika. Aber es gibt sie auf allen Kontinenten, sogar in der Antarktis. Ungefähr drei Prozent enthalten Diamanten. Für Wissenschaftler sind Kimberlite deshalb wertvoll, weil diese aus ansonsten kaum zugänglichen Tiefen stammen. Und: Die allermeisten Diamanten sind mehr als eine Milliarde Jahre alt, manche sind sogar älter als drei Milliarden Jahre.
Explosive Eruptionen
Kimberlit-Vulkane sind verglichen mit den klassischen Feuerbergen selten. Niemand hat je einen ihrer Ausbrüche gesehen. Die jüngsten ereigneten sich in prähistorischer Zeit. Jedoch haben Geologen eine Vorstellung davon, wie sich so ein Spektakel abspielt.
Kimberlite entstehen, wenn im Erdmantel Gesteine aufschmelzen, die reich an Magnesium, Wasser und Kohlendioxid sind. Wasser und CO2 erzeugen Gasblasen, die einen schmalen Pfropfen aus Magma blitzartig durch einen Schlot nach oben treiben – ähnlich wie den Korken einer Sektflasche. Auf ihrem Weg reißt das Magma Gesteine aus dem oberen Mantel und der kontinentalen Kruste mit, darunter auch Diamanten. Wenn das glutflüssige Gestein die Oberfläche durchbricht, bilden sich eine große Eruptionswolke und pyroklastische Ströme. Wiederkehrende Explosionen reißen einen Krater von Hunderten Metern Durchmesser auf. Daraus ergießt sich Lava in die Umgebung.





