Die Thronbesteigung und frühen Herrschaftsjahre des jungen Heinrich VIII. inspirierten schriftstellernde Zeitgenossen, die meist im Dienst der Regierung standen, zu hymnischen Lobpreisungen der Tudor-Monarchie. Sie schwärmten von einem neuen goldenen Zeitalter, in dem die Menschen glücklich, satt und in Frieden leben könnten. „Der Himmel lacht, und die Erde freut sich“, schrieb ein englischer Adliger 1509 an den berühmten niederländischen Gelehrten Erasmus von Rotterdam. „Alles ist voller Milch, Honig und Nektar. Die Habgier hat das Land verlassen. Unser König sucht nicht Gold oder Edelsteine oder kostbare Metalle, sondern Tugend, Ruhm und Unsterblichkeit.“ Die hochgespannten, manchmal reichlich naiven Erwartungen gingen natürlich an der rauhen Wirklichkeit vorbei. Sicher, der Hof des neuen Königs glänzte mit prachtvollen Zeremonien und sorgte mit seiner ebenso verwirrenden wie opportunistischen Kirchen- und Heiratspolitik jahrelang für interessanten Gesprächsstoff.
Für den „gemeinen Mann“ und die „gemeine Frau“ im England Heinrichs VIII. war das tägliche Leben jedoch alles andere als einfach und glücklich. Im Kampf um den Lebensunterhalt spürten sie wenig von den angeblich so paradiesischen Zuständen im vielbeschworenen „Merry Old England“. Eine kleine soziale und politische Elite, die in der Regel über große Ländereien verfügte und dem Hof mit seinen vielfältigen Patronagemöglichkeiten nahestand, konnte einen Abglanz vom Lebensstil des „Renaissancefürsten“ in London erhaschen, ihn oft sogar in bescheideneren Dimensionen nachahmen. Doch in nicht seltenen Fällen war der Preis dafür hoch. Wer dem ebenso selbstherrlichen wie brutalen Monarchen in die Quere kam, riskierte buchstäblich Kopf und Kragen: Er oder sie endete als Gefangener im Tower oder gar auf dem Schafott. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 10/2012.
Prof. Dr. Peter Alter




