Noch mehr aber lockt in Hochdorf das 1991 eingeweihte, rund 400 Meter vom Fundort entfernte Keltenmuseum (http://www.keltenmuseum.de/dt/mus/museum.html, Telefon 07042/78911). Im Untergeschoß des Museums wurde die Grabkammer des Fürsten originalgetreu nachgebaut. Darüber hinaus vermittelt die Ausstellung Einblicke in das Leben der frühen Kelten und informiert sehr anschaulich über ihre Handelsbeziehungen zu den Völkern des Mittelmeerraums. Bei den Bauarbeiten für das Museum wurde auch eine frühkeltische Siedlung entdeckt und ausgegraben. Dies war auch der Anstoß, im Außenbereich des Museums ein keltisches Gehöft zu rekonstruieren.
Die Region an der oberen Donau um Herbertingen-Hundersingen gehört für die Keltenforscherin Sabine Rieckhoff “mit dem frühkeltischen Fürstensitz Heuneburg, den monumentalen Großgrabhügeln und Grabhügelgruppen im Vorland der Burg sowie mehreren spätkeltischen Viereckschanzen und mittelalterlichen Burgstellen zu den eindrucksvollsten archäologischen Landschaften Süddeutschlands.”
Die Heuneburg hatte gewaltige Ausmaße, zahlreiche Mauern, Wälle, Türme und Wehrgänge konnten durch die Archäologen erschlossen werden. Ein Teil der nördlich der Alpen einzigartigen Lehmziegelmauern mit Wehrgang und Tor wurde jüngst rekonstruiert. Auch eine Häuserzeile wurde wieder aufgebaut, um den Besuchern ein anschauliches Bild der Anlage zu vermitteln.
Das Heuneburgmuseum (http://www.dhm.de/museen/heuneburg/, Telefon 07586/1679) ist in einer ehemaligen Zehntscheuer aus dem 18. Jahrhundert in Hundersingen gebracht. Der Rundgang beginnt mit einer Übersicht über die mehr als 100jährigen Forschungsarbeiten im Bereich der Heuneburg, daran schließt sich die Darstellung der wichtigsten Siedlungsstadien und Befestigungswerke der Heuneburg an. Darüber hinaus vermittelt das Museum Einblicke in das hoch entwickelte Handwerk der Kelten.
Der seit dem 5. Jahrtausend v. Chr. besiedelte Glauberg, gut 30 Kilometer nördlich von Frankfurt gelegen, steht derzeit im Mittelpunkt einer Ausstellung in der Frankfurter Schirn-Kunsthalle (siehe unseren Beitrag auf Seite 34). Das neue Keltenmuseum am Glauberg selbst soll im Herbst 2003 eröffnet werden, ein archäologischer und naturkundlicher Lehrpfad erschließt aber schon jetzt die einzelnen Besiedlungsstufen (http://www.keltenfuerst.de, Telefon 06041/8268-26. In frühkeltischer Zeit etwa war der Glauberg ein bedeutender Fürstensitz, zu dem auch ein rekonstruierter Grabhügel gehört, dessen Grabbeigaben zu den Glanzstücken der Frankfurter Ausstellung gehören. Eine “Keltenstraße” (Eröffnung am 18./19. Mai) macht schließlich die keltischen Fundorte in Hessen im doppelten Sinne “erfahrbar” (http://www.keltenstrasse.de).
Wer seinen nächsten Urlaub im Bayerischen Wald verbringen möchte, hat seit dem vergangenen Sommer sogar die Möglichkeit, dort ein keltisches Dorf zu besichtigen: den Erlebnispark Gabreta bei Ringelai (Telefon 08555/407310). Daß es ein solches an dieser Stelle nie gegeben hat, dürfte jenen Zeitgenossen, die Rekonstruktionen ohnehin skeptisch gegenüberstehen, bitter aufstoßen. Doch das Konzept für Gabreta wurde von Archäologen der Universität Passau erarbeitet, die Häuser nahezu ohne moderne Hilfsmittel gebaut. Selbst die Holznägel, Schindeln und Schilfdächer wurden nach alten Techniken selbst angefertigt.




