Die amerikanische Firma Boom will bis 2029 ein Überschallflugzeug herstellen, das die 1,7-fache Schallgeschwindigkeit, also Mach 1,7, erreichen soll. Die Fluggesellschaft United hat bereits 15 davon vorbestellt. Der im amerikanischen Texas ansässige Start-up Venus Aerospace will in den nächsten Jahren gar ein Flugzeug bauen, dass Mach 9 erreichen kann. Das sind etwa 11.000 Kilometer pro Stunde. Bei dieser Geschwindigkeit würde ein Flug von Frankfurt nach New York City kaum eine halbe Stunde dauern. Die US Air Force hat in einen weiteren Start-up investiert: Die Firma Hermeus aus dem Bundesstaat Georgia. Hermeus will bald Passagierflugzeuge mit Geschwindigkeiten bis zu Mach 6 anbieten.
Hoffnung auf kommerziellen Erfolg
Die US-Raumfahrtorganisation NASA arbeitet derweil an einem eigenen Überschallflugzeug. Der neue X-59 Jet soll zwar „nur“ Mach 1,4 (etwa 1700 km/h) fliegen, aber die Lautstärke des Überschallknalls soll sich sehr verringern. Dieser Knall ist eine Auswirkung der Luftverdichtung, die bei allen Flügen über der Schallgeschwindigkeit erzeugt wird, und zwar ständig und nicht nur beim Durchbrechen der Schallmauer, wie viele glauben. Wegen der damit einhergehenden Lärmbelastung sind Überschallflüge derzeit in vielen Ländern über bewohnten Gebieten gesetzlich untersagt. Wenn das Forschungsprojekt der NASA erfolgreich ist, könnte das die kommerziellen Aussichten von Überschallflügen deutlich verbessern.
Worauf der plötzliche Optimismus beim Überschallflug basiert, ist schwer zu sagen – auf historischen Erfahrungen jedenfalls nicht. Die einzigen zwei Überschalljets für regelmäßige Passagierflüge waren die sowjetische Tupolev TU-144 und die britisch-französische Concorde. Sie stellten 1999 beziehungsweise 2003 den Betrieb ein. Die hochpreisigen Flüge zogen nicht genug Passagiere an, um die Technologie weiter zu betreiben. Und einige prominente Unfälle besserten den Ruf der Flugzeuge sicher auch nicht.
Ein großes Problem von Überschallflügen ist und bleibt ihr Kraftstoffverbrauch. Schätzungen des ICCT (International Council on Clean Transportation) zufolge würde die neue Generation von Überschallflügen im besten Fall dreimal, im schlechtesten Fall neunmal so viel Kraftstoff pro Passagier verbrauchen wie die heute üblichen Flüge. Das ist nicht nur teuer, es läuft auch den internationalen Bestrebungen zur Reduktion der Kohlenstoff-Emission entgegen und wird Überschallflüge wohl kaum populär machen.
Aber man muss nicht unbedingt fliegen, um sich mit Überschallgeschwindigkeit zu bewegen – zumindest nicht, wenn es nach Elon Musk geht. Dem Milliardär gefällt die Idee, Passagierwaggons durch lange Röhren zu schießen, aus denen ein Großteil der Luft evakuiert wurde. Dass so wenig Luft in den Röhren ist, hat den Vorteil, dass der Luftwiderstand sinkt – und damit der Kraftstoffverbrauch. Es wird damit wesentlich einfacher, die Schallgrenze zu überwinden.





