Die Geschichte der klösterlichen Frauengemeinschaften spiegelt über weite Strecken die Entwicklung bei den Mönchsorden: von den Benediktinerinnen über die Bettelorden bis hin zu den Neugründungen der Gegenreformation und den Kongregationen des 19. Jahrhunderts.
Benediktinerinnen Mit dem Titel des ältesten ununterbrochen bestehenden Frauenklosters nördlich der Alpen darf sich das Benediktinerinnenkloster Nonnberg in Salzburg, unterhalb der Festung Hohensalzburg, schmücken. Gegründet wurde es 712/715 durch Bischof Rupert von Worms – den er?sten Bischof von Salzburg – im Auftrag des bayerischen Herzogs Theodo aus der Familie der Agilolfinger.
Zumindest de facto ununterbrochen ist die monastische Tradition auch auf der Insel Frauenchiemsee. Das Benediktinerinnenkloster Frauenwörth wurde um 772 durch den Bayernherzog Tassilo III. gegründet. Zwar wurde das Kloster 1803 im Zuge der Säkularisation aufgehoben, doch durften die Nonnen weiter im Konvent wohnen – fünf von ihnen erlebten 1838 unter König Ludwig I. von Bayern die Wiedererrichtung.
Daß in beiden Fällen die bayerischen Herzoge hinter der Klostergründung standen, entspricht der früh- und hochmittelalterlichen Tradition, in der es in der Regel Adelsfamilien – je ranghöher die Gründer, um so bedeutender das Kloster – waren, die als Stifter in Erscheinung traten: um ihres Seelenheiles willen, gegebenenfalls als Grablege, als Wirtschaftsfaktor und zur Unterstützung der eigenen politischen Ambitionen. Im frühen Mittelalter waren die Klöster darüber hinaus Ausdruck und Mittel der Christianisierung. Mittelalterlicher Tradition entsprach es auch, daß die erste Äbtissin des Klosters Nonnberg, Erentrudis, eine Verwandte des Klostergründers, in diesem Fall dessen Nichte, war.
Einer anderen Intention verdankt das Kloster St. Walburg in Eichstätt seine Gründung: Zwischen 870 und 879 ließ der Eichstätter Bischof Otgar die Gebeine der heiligen Walburga nach Eichstätt überführen. An ihrem Grab ließen sich Kanonissen nieder. Darunter versteht man fromme Frauen, die in monastischer Gemeinschaft, aber ohne Gelübde zusammenlebten. Viele dieser Kanonissenstifte sahen sich im 11./12. Jahrhundert Vorwürfen wegen ihrer allzu weltlichen Lebensweise ausgesetzt. Vor diesem Hintergrund übernahmen einige Stifte die Augustinus-Regel; sie bilden seither den Orden der Augustiner-Chorfrauen, andere gingen in Neugründungen auf – so auch Eichstätt, wo Graf Leodegar von Lechsgmünd und Graisbach 1035 die Benediktinerinnenabtei St. Walburg gründete. Wie auf Frauenchiemsee brachte die Säkularisation das klösterliche Leben hier nur für wenige Jahrzehnte, von 1806 bis 1835, zum Erliegen.
Vom Alter her kann es Müstair in Graubünden fast mit Nonnberg aufnehmen, doch wurde das Kloster um 772 als Mönchsabtei gegründet und erst im 12. Jahrhundert in ein Nonnenkloster umgewandelt. Auch hier war die Gründung durch den Bischof von Chur politisch motiviert, diente sie doch der territorialen Erschließung des Alpenraums für Karl den Großen. (Müstair sei an dieser Stelle aufge?nommen, auch wenn die Umgangssprache im Val Müstair Rätoromanisch ist.)





