… Der größte Einzelaussteller bei der Weltausstellung von 1851 war die britische Ostindienkompanie. Die Besucher waren geblendet von der Fülle moderner, gewerblich gefertigter Waren aus Indien, vor allem Teppiche und Textilien. Viele der Ausstellungsobjekte wurden für das neue Museum erworben. Sie sollten Designern, die für britische Textilfabrikanten arbeiteten, als Inspirationsquelle dienen. Die in der Weltausstellung und später im Museum der Ostindienkompanie gezeigten Objekte vermittelten ein romantisches Bild Indiens als einer vollkommenen uralten Gesellschaft, in deren Dörfern noch traditionelles Handwerk, frei von den negativen Einflüssen der Industrialisierung und Urbanisierung, blühte.
Indien wurde 1858 Kronkolonie, Victoria 1876 Kaiserin von Indien. Die letzten Reste der Ostindienkompanie liquidierte man 1874, ihr Vermögen ging in Staatsbesitz über. Die Mu‧seumsbestände wurden zwischen verschiedenen Institutionen aufgeteilt, das Gros kam 1879 in das South Kensington Museum – Textilien, Kunstgewerbe und beinahe 200 Gemälde. Dar-unter war das von einem unbekannten Künstler um 1838 in Delhi geschaffene Bild „A Group of Dancing Girls and Musicians under a Canopy“ oben. In seinen naturalistischen Posen und dem Schattenwurf der Figuren ist es unverkennbar von westlichen Kunstwerken beeinflusst. Vermutlich war es für einen britischen Auftraggeber bestimmt…
Dr. Julius Bryant




