Von THOMAS ZAUNER
An manch schönem Frühlingstag ziehen ganze Schwaden Pollen umher. Sie sinken als gelblicher Staub auf Boden, Dächer und Autos. Hierbei ist man Zeuge einer Fortpflanzungsstrategie, die sich vor etwa 300 Millionen Jahren herausgebildet und seitdem immer weiterentwickelt und differenziert hat.
Pollenkörner sind mikroskopisch kleine Gefäße für die Keimzellen von Samenpflanzen – der weltweit dominanten Blütenpflanzen sowie Nadelbäumen, Palmen und Ginkgos. Ihre Größe reicht von nur etwa zehn bis zu ein paar Hundert Mikrometern. Diese widerstandsfähigen Kapseln dienen dazu, die männlichen Keimzellen sicher zu den weiblichen zu bringen, damit sie sich vereinigen können.
Eine versteckte Generation
Doch ein Pollen ist mehr als ein Behälter. Er ist ein eigener winziger Organismus, der die Keimzellen sicher in sich trägt. Pflanzen durchlaufen nämlich einen zweistufigen Generationswechsel. Die uns üblicherweise bekannten Formen der Samenpflanzen – Bäume, Sträucher und Gräser – sind die eine Generation. Der Pollen ist die andere. Er hat eigene Organe und betreibt Zellteilung. Dabei muss er jedoch ohne Fotosynthese auskommen und sich von gespeicherten Energiereserven ernähren, während er vom Wind oder bestäubenden Tieren fortgetragen wird.
Wichtig bei der sexuellen Fortpflanzung auf Basis des Winds ist, dass die Organismen eine genügend große Anzahl an Pollen produzieren, um sicherzugehen, dass zumindest einige davon auch ihr weibliches Pendant erreichen. Die Gesamtmenge der weltweit freigesetzten Menge an Pollen ist schwer zu beziffern. Sie variiert stark, je nach Pflanzenart, Region und Witterungsbedingungen.
Beispielsweise produziert nur eine Pflanze des Beifußblättrigen Traubenkrauts, das in Nordamerika beheimatet ist, aber auch nach Europa gebracht wurde, 100 Millionen bis 3 Milliarden Pollenkörner pro Saison. Damit kann es gesundheitliche Schwierigkeiten für Menschen mit Pollenallergie auslösen. Andere Pflanzen wie Gräser produzieren nur einige Zehntausend Körner pro Pflanze.
Wenn der Pollen sein Ziel erreicht, kann eine weitere Art des Luftplanktons entstehen: Samen.
Borstenflieger
Um neue Lebensräume zu besiedeln und dem Konkurrenzdruck anderer Organismen zu entkommen, entwickelten viele Pflanzen weitere Strategien, um ihre Samen zu verbreiten. Eine besteht darin, mit Früchten Tiere anzulocken, die die unverdaulichen Samen nach dem Verzehr ausscheiden und so verteilen (Endochorie). Oder die Samen haften mit Widerhaken am Fell der Tiere an und werden so weitergetragen (Epichorie).





