Den Grundstein dreier Kirchen habe Konrad II. an einem einzigen Tag, dem 12. Juli 1030, gelegt, so erzählt es die Legende: am Morgen für die Klosterkirche in Limburg an der Haardt (am Ostrand des Pfälzerwalds), dann nach eiligem Ritt in Speyer für den Neubau des Doms und für das Stift St. Guido (später St. Johannes). Eine Klosterkirche, eine Domkirche und eine Stiftskirche hatte der erste König und Kaiser aus dem Haus der Salier auf diese Weise „gegründet“, eine Herrscherpflicht hatte er erfüllt, nämlich Förderer der Kirchen seines Reichs zu sein. Seine letzte Ruhe fand Konrad 1039 im Speyerer Dom, hier wurden auch seine Nachfolger auf dem Thron beigesetzt, bis hin zu Heinrich V., seinem Urenkel. Doch der 1125 erbenlos verstorbene Heinrich V. galt vielen nicht mehr als Förderer der Kirche, sondern wie sein Vater Heinrich IV. als deren Feind und als Tyrann. Papst Innozenz III. sprach an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert von den Saliern als „Geschlecht von Kirchenverfolgern“, als er den Anspruch der Staufer auf die Königswürde bestritt und sie als Nachfahren von Agnes, der Schwester Heinrichs V., den Saliern zurechnete. Heinrich IV. und Heinrich V. hatten die Nähe zur Kirche verloren, die noch die Herrschaft Konrads II. und vor allem die seines Sohnes Heinrich III. ausgezeichnet hatte. Die letzten beiden Salier hatten keine Verbindung zu einem Reformprozess, der die lateinische Kirche erfasst hatte und der oft mit dem Namen des Canossa-Papstes Gregor VII. als „gregorianische Reform“ bezeichnet wird.
Der Reformprozess setzte lange vor Gregor VII. (1073 –1085) ein. An seinem Anfang standen Bestrebungen, die auf die Klöster und die Lebensführung der Priester und der Geistlichkeit zielten. Treue zur Mönchsregel des heiligen Benedikt und deren präzise Ausgestaltung im klösterlichen Alltag und Leben, Konzentration auf Buße, Gebet und Liturgie bildeten den Mittelpunkt der Klosterreform, die seit dem 10. Jahrhundert im burgundischen Cluny verwirklicht wurde, das sich dann zunehmend zum Vorbild und zur Anregung für weitere Reformbewegungen entwickelte.
Einen prinzipiellen Gegensatz zwischen „Kirche“ und „Welt“ schufen diese Reformbewegungen nicht. Cluny selbst war von dem kinderlosen Herzog Wilhelm I. von Aquitanien 910 gegründet worden. Clunys Mönche sollten sich von den weltlichen Dingen fernhalten, damit sie durch Gebet und Liturgie umso besser für die Welt wirken könnten. Das kam nicht allein den Mönchen des eigenen Klosterverbands zugute, der sich rasch ausbreitete, sondern auch den Laien, die sich durch Schenkungen um Cluny verdient gemacht hatten. Aber es erfolgte auch eine Absonderung von den laikalen Lebensweisen, die von der Benediktsregel in dieser Art nicht vorgesehen war. Körperliche Arbeit hatten die Cluniazenser nur wenig zu verrichten, denn die Bewirtschaftung ihrer Güter hatten sie Hörigen und Pächtern übertragen. Doch beschränkten sich die Leistungen der Cluniazenser für die „Welt“ nicht auf Gebet und Liturgie. Bei dem Jahresgedächtnis für einen verstorbenen Mönch sollte nämlich dessen ursprüngliche Versorgung den Armen zugutekommen. Mehr als 18000 Armenspeisungen im Jahr hatte Cluny so schließlich zu leisten. Die „Freiheit“ des Klosters sicherte die monastische Existenz und derartige liturgische und soziale Leistungen für die Welt, kein Eingriff von außen sollte möglich sein. Bedroht war diese Freiheit weniger von den Adligen, die bei ihren Schenkungen auf Einflussmöglichkeiten verzichteten, als von den Bischöfen, denen nach hergebrachtem Kirchenrecht die Aufsicht über die Klöster ihrer Diözese oblag. Päpstliche Schutzprivilegien sicherten diese Freiheit; damit war Cluny institutionell dem Papsttum verbunden.




