Ein paar Beispiele: Für jeden Stern, den die Astronomen in den Milliarden von bekannten Galaxien ausfindig machen, gibt es mindestens zehn Millionen Viren hier auf der Erde. Hundert Millionen von ihnen finden Platz auf einem Stecknadelkopf. Wer diese immensen Zahlen zur Kenntnis nimmt, kann den Stoßseufzer von Thomas Mann verstehen, der sich beklagte, dass die Kosmologen ihn mit einem Kometenschweif verwirren würden, wenn sie Entfernungen im Universum angaben. Wenn man dieses Wortspiel fortsetzen möchte, kann man bei den Viren von einem Rattenschwanz an Nullen sprechen, der einem wenig Hoffnung auf ein Verständnis der lebendigen Welt in unserem Körper und außerhalb lässt.
Diese immensen Zahlen sind derzeit in Berichten zu lesen, in denen Virologen über heroische Versuche berichten, in denen sie abzuschätzen versuchen, wie viele Viren sich im Tierreich ausfindig machen lassen, die als Kandidaten für die nächste Pandemie infrage kommen und auf deren Auf- oder Austritt man sich nach dem Motto „Vorbeugen ist besser als Heilen“ gefasst machen sollte. Die wissenschaftliche Welt hatte bereits 2009 ein Programm mit dem hübschen Namen PREDICT auf den Weg gebracht, um nach dem Ausbruch der Vogelgrippe 2005 ein Frühwarnsystem zu entwickeln, das helfen sollte, sich auf eine Pandemie vorzubereiten. Man schätzte, dass rund 500.000 Viren aus dem Tierreich auf den Menschen überspringen können. Und PREDICT hatte fast 1000 neuartige Viren erfasst, denen man eine pandemische Potenz zutraute – allerdings war das heute so weit verbreitete Corona-Virus nicht darunter.
Forscher vermuten, dass Zehntausende von möglicherweise zoonotischen Parasiten existieren, die von Wirbeltieren ausgehend den Menschen erreichen können, wobei sie die Zahl der bislang unentdeckten Viren auf 1,6 Millionen schätzen. In den Jahren 2013 bis 2016 wurde in Vietnam das VIZIONS-Projekt aufgelegt, in dem Menschen untersucht wurden, die mit Fleisch handelten oder Ratten verkauften und dabei Krankheitssymptome zeigten, allerdings ohne dass damit Vorhersagen über künftige Pandemien möglich wurden. In der Wissenschaft melden sich seitdem Stimmen, dass die Milliarden von Dollar, die in solche globalen Projekte gesteckt werden, besser für die Gesundheitssysteme der betroffenen Länder zur Verfügung gestellt würden, um zu helfen, das Verhalten der Menschen für den Fall einzuüben, dass ein neues Virus auftritt und sich ausbreitet. Die Bewohner der Erde leben offenbar auf einem Planeten von Viren – nicht von Affen. Das wissen sie jetzt, auch wenn sie sonst nicht(s) wissen.





