Noroviren sind die weltweit häufigsten Erreger von Magen-Darm-Erkrankungen. Wer sich mit den Viren infiziert, leidet meist zwei bis vier Tage lang unter heftigem Erbrechen, Durchfall und Magenkrämpfen. Bei einigen Menschen, vor allem Kindern und Älteren, können die Symptome und der dadurch verursachte Flüssigkeitsverlust so ausgeprägt sein, dass sie im Krankenhaus mit Infusionen behandelt werden müssen. Der beste Schutz vor Noroviren sind bislang Händewäschen und andere Hygienemaßnahmen. Denn die Erreger sind hochansteckend und verbreiten sich nicht nur über direkten Menschenkontakt, sondern auch über Tröpfchen in der Luft, kontaminierte Oberflächen sowie über Wasser und Lebensmittel. An Orten wie Schulen, Kitas, Krankenhäusern, Pflegeheimen, Militärstützpunkten und Kreuzfahrtschiffen, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, haben die Viren oft leichtes Spiel. Impfstoffe, die die Ausbreitung erheblich eindämmen würden, werden zwar erforscht, wurden bislang aber aufgrund mangelnder Wirkung nicht zugelassen.
Teilweiser Schutz vor Durchfallerkrankung
Ein Team um Becca Flitter von der Firma Vaxart in South San Francisco hat in Tierversuchen einen vielversprechenden Impfstoff gegen Noroviren entwickelt und diesen nun in einer klinischen Studie mit Menschen getestet. Dafür ließen sie 165 Freiwillige zwischen 18 und 49 Jahren den Wirkstoff in Tablettenform oder ein Placebo schlucken. Sieben und 28 Tage danach analysierten sie jeweils, ob die Testpersonen Antikörper gegen das Oberflächenprotein VP1 von Noroviren bildeten, gegen das sich der Impfstoff richtet. Die Auswertung ergab, dass die Probanden, die den Impfstoff (VXA-G1.1-NN) erhalten hatten, tatsächlich zahlreiche IgA- und IgG-Antikörper gegen das VP1 Protein in ihren Schleimhäuten und im Blut bildeten. Diese konnten Flitter und ihre Kollegen in Blutserum, Nasensekret, Speichel und Stuhlproben nachweisen. Zudem vertrugen die Geimpften das Vakzin gut und zeigten keine schweren Nebenwirkungen.
Aber schützt die Impfung auch vor einer Ansteckung mit Noroviren? Um das zu testen, infizierten die Forschenden die Testpersonen 28 Tage nach der Impfung beziehungsweise der Placebo-Gabe absichtlich mit dem Norovirus G1.1. Die geimpften Probanden entwickelten daraufhin seltener Magen-Darm-Symptome als die Kontrollgruppe: Aus der Placebo-Gruppe wurden 82 Prozent infiziert und 58 Prozent krank, von den Geimpften nur 57 Prozent infiziert und 45 Prozent krank. Zudem waren ihre Symptome milder und in ihren Stuhlproben und Proben von Erbrochenem fanden sich weniger Viren als bei Ungeimpften. Das Team schließt daraus, dass die Impfung zumindest teilweise vor einer Durchfallerkrankung und vor einer Vermehrung der Viren im Körper schützt. Demnach werden die Geimpften zwar infiziert, aber nicht oder nicht so schwer krank und können die Viren nicht mehr so stark an weitere Menschen übertragen.





