Der Münchener Mediävist Hubertus Seibert legt eine dickleibige Einführung in die Geschichte des europäischen Mittelalters vor. Den Begriff Mittelalter allerdings – obwohl im Titel genannt – problematisiert Seibert und schreibt häufiger von der „Vormoderne“, möchte diese aber wiederum auch nicht als bloße Vorgeschichte der Moderne verstanden wissen, sondern betont die Eigenständigkeit der Epoche. Ob mit dieser Entscheidung interpretativ so viel gewonnen ist, sei dahingestellt.
Das mit zahlreichen Illustrationen aufgelockerte Buch ist thematisch gegliedert und behandelt den gesamten europäischen Kontinent bis hin zu den „Rändern“. In 16 dichten, auch einzeln lesbaren Kapiteln widmet es sich nahezu sämtlichen Aspekten dieser Epoche, darunter Herrschaft, Kultur, Religion, Wirtschaft, Technik, Umwelt, Kommunikation und Lebenswelten. Der systematische Aufbau sowie die ausführlichen Register erlauben eine gezielte Arbeit mit dem Band. Insgesamt ist Seibert ein eng mit der Forschung verzahntes Werk gelungen, das Laien wie Studenten dabei helfen wird, sich der Vielfalt des Mittelalters (oder eben der Vormoderne) anzunähern und sich in einer Forschungslandschaft zurechtzufinden, die so divers ist wie ihr Gegenstand.
Rezension: Sebastian Rojek
Hubertus Seibert
Geschichte Europas im Mittelalter
Aufbruch in die Vielfalt
Verlag Brill/Schöningh, Paderborn 2025, 613 Seiten, € 50,–




