Unser Körper ist darauf angewiesen, dass seine Temperatur in einem engen Toleranzbereich bleibt – nur dann funktionieren die fein austarierten biochemischen und biologischen Prozesse, wie sie sollen. Um dies zu gewährleisten, beginnen wir bei Hitze zu schwitzen und unsere hautnahen Blutgefäße weiten sich. Beides zusammen hilft dabei, überschüssige Wärme aus dem Körperinneren abzuführen und uns durch Verdunstung zu kühlen.
Warum Hitze Nierensteine fördert
Allerdings bedeutet das Schwitzen auch, dass wir beim Schwitzen mehr Wasser verlieren als sonst - und das kann Folgen für unsere Nieren haben. Sie sind dafür zuständig, Abfallstoffe aus dem Blut herauszufiltern und diese mit dem Urin auszuscheiden. Am besten arbeiten sie, wenn genügend Flüssigkeitsnachschub über das Trinken ihnen beim Ausschwemmen hilft. Sind wir jedoch dehydriert, weil wir beispielsweise nicht genug getrunken haben, konzentrieren sich die Abfallstoffe in den Nieren und auch im Urin.
Das kann Folgen haben: „Wer viel schwitzt und zu wenig trinkt, produziert weniger Urin. Dadurch konzentrieren sich steinbildende Substanzen im Harn und Kristalle können entstehen und wachsen“, erklärt Sylvia Stracke von der Universitätsmedizin Greifswald und der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN). „Hitze ist ein unterschätzter Risikofaktor für Nierensteine.“ Dieser Zusammenhang zeigt sich jedoch deutlich im sogenannten „Steingürtel“ – den Regionen rund um den Äquator und weiteren Regionen mit heißem Klima. Dort sind mehr als zehn Prozent der Bevölkerung von Nierensteinen betroffen.

Unsere Nieren leisten bei Hitze Schwerstarbeit. — © Mohammed Haneefa Nizamudeen/ iStock
2,5 Liter Flüssigkeit täglich sind das Minimum
Deshalb raten auch Nephrologen dazu, in der aktuellen Hitzeperiode besonders viel zu trinken. Am besten sind ungesüßte Tees, Mineralwasser mit wenig Kalzium und dünne Saftschorlen. „Wir empfehlen Erwachsenen, besonders in der warmen Jahreszeit täglich etwa 2,5 Liter Flüssigkeit zu sich zu nehmen – bei Hitze auch mehr“, rät Nicole Helmbold, Generalsekretärin der DGfN. Diese Menge reicht aus, um den Urin auch bei starkem Schwitzen zu verdünnen und so die Konzentration von steinbildenden Verbindungen wie Calcium, Oxalat oder Harnsäure zu verringern.
Wichtig auch: Bei Hitze sollte man auch dann trinken, wenn man keinen Durst verspürt. „Man muss wirklich aktiv daran denken“, betont Sylvia Stracke. Auch die Ernährung kann das Risiko für Nierensteine beeinflussen. Ungünstig sind beispielsweise Lebensmittel, die viel Oxalat enthalten, wie
Mangold, Rhabarber und Spinat. Aber auch zu viel Calcium, Kochsalz oder Vitamin C und D können die Steinbildung fördern. Dagegen wirken Citrat, Magnesium und Kalium eher schützend, wie die Expertinnen erklären. „Auch manche Diuretika erhöhen die Calciumausscheidung im Urin – was ebenfalls ein Risikofaktor für die Steinbildung ist“, sagt Stracke.
Was sind die Risikofaktoren und Symptome?
Nicht jeder ist jedoch gleich anfällig für Nierensteine, sie entstehen oft durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Neben Ernährung und Trinkmenge erhöhen auch eine familiäre Veranlagung, Stoffwechselerkrankungen und Übergewicht das Risiko für Nierensteine. Bei diesen Menschen reicht dann eine hohe Flüssigkeitszufuhr allein oft nicht aus. „Deshalb ist es wichtig, bei wiederholtem Auftreten die individuellen Risikofaktoren genauer zu untersuchen“, so Stracke. Die Rückfallrate bei Nierensteinen ist hoch: Bis zu 50 Prozent der Betroffenen entwickeln im Laufe der Zeit erneut Steine. Eine Analyse der Steinzusammensetzung und eine angepasste Therapie können jedoch helfen.
Von Nieren- und Harnleitersteinen sind im Schnitt fünf bis elf Prozent der Menschen in den Industrienationen betroffen, Männer etwa doppelt so oft wie Frauen. In Deutschland wurden allein im Jahr 2024 mehr als 113.000 Menschen wegen solcher Steine im Krankenhaus behandelt. „Die Zahl der Erkrankten liegt jedoch deutlich höher, da viele Fälle ambulant versorgt werden oder unbemerkt mit ihren Steinen leben“, sagt Stracke.
Kleine Nierensteine gehen oft unbemerkt mit dem Urin ab. Sind die Steine aber größer und sitzen sie an einer ungünstigen Stelle, können sie Schmerzen verursachen. Typische Symptome sind plötzlich einsetzende, krampfartige Schmerzen in der Flanke, Übelkeit, Harndrang oder Blut im Urin. Blockiert ein Stein den Harnleiter, kann sich der Urin zurückstauen. „Dann drohen Komplikationen wie eine Nierenbeckenentzündung“, erklärt Stracke. Gelangen dann Bakterien ins Blut, kann sich im schlimmsten Fall eine lebensbedrohliche Sepsis entwickeln. Bei Fieber, Schüttelfrost oder starken Schmerzen sollten Betroffene daher umgehend medizinische Hilfe suchen.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e.V. (DGfN)





