Asthma, Allergien und Neurodermitis sind vor allem unter Stadtkindern weit verbreitet. Kinder von Bauernhöfen sind dagegen deutlich seltener betroffen – dies ist schon seit Jahrzehnten bekannt. Vermutet wird, dass der frühe, häufige Kontakt der Landkinder mit bestimmten Bakterien aus der Stallluft die überschießende Reaktion des Immunsystems verhindert – so die Theorie. Doch eindeutig belegen ließ sich diese sogenannte Hygienehypothese bisher nicht, weil unklar blieb, welche Bakterien dies bewirken und wie.
Neun Bakterienarten aus dem Kuhbauch
Jetzt haben Forschende die Antwort gefunden. Für ihre Studie hatten Giulia Pagani vom Helmholtzzentrum München und ihre Kollegen Nasenabstriche und Proben aus dem Matratzenstaub von 1018 Kindern aus der Stadt oder von Bauernhöfen untersucht. Bei den Bauernhofkindern wurden zusätzlich Proben der Stallluft analysiert. Über Analysen ribosomaler RNA ermittelte das Team dann, welche Bakterien und Pilze in den Proben vorkamen und bestimmte auch deren Stoffwechselprodukte und mögliche Reaktionen der menschlichen Immunabwehr.
Es zeigte sich: Verantwortlich für den Schutzeffekt gegen Asthma, Heuschnupfen und Co. sind nur neun in Ställen vorkommende Bakterienarten. „Diese grampositiven Bakterien vermitteln zusammen zwei Drittel des gesamten Bauernhofeffekts gegen Asthma und die Hälfte des Schutzeffekts gegen Heuschnupfen und Neurodermitis“, berichtet Pagani. Bei anderen Mikroorganismen wie gram-negativen Bakterien oder Pilzsporen ließ sich hingegen kein Effekt feststellen. Die neun wirksamen Bakterienarten kommen allesamt im Verdauungstrakt von Kühen vor, wo sie Inhaltsstoffe des Futters abbauen.
Wie der Schutz vor Asthma und Allergien funktioniert
Doch wie kommt die Schutzwirkung dieser Bakterien zustande? Auch das konnten Pagani und ihr Team aufklären. Ihre Analysen zeigten, dass diese neun Bakterienarten spezielle Stoffwechselprodukte freisetzen, darunter Kynurenin, Xanthin, Alpha-Linolensäure und Stearidonsäure. Diese Substanzen gelangen in die Stallluft, werden von den Kindern eingeatmet und docken in ihren Atemwegen an zwei bestimmten Rezeptoren der Schleimhautzellen an, wie die Forschenden herausfanden.





