Diese Stallbakterien schützen gegen Asthma und Allergien
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Diese Stallbakterien schützen gegen Asthma und Allergien

Kinder, die auf dem Bauernhof aufwachsen, erkranken seltener an Asthma und Allergien. Den Grund dafür, haben Forschende jetzt aufgeklärt. · Foto: © AndersSellin/ iStock

Kinder von Bauernhöfen bekommen seltener Asthma und Allergien. Jetzt haben Forschende erstmals die für diesen Schutzeffekt verantwortlichen Bakterien identifiziert. Demnach handelt es sich um neun Bakterienarten aus dem Verdauungstrakt der Kuh, deren Stoffwechselprodukte in die Stallluft gelangen und eingeatmet werden. In den Atemwegen aktivieren sie zwei Rezeptoren, die die überschießende Immunreaktion bei Asthma, Heuschnupfen oder Neurodermitis verhindern.

Asthma, Allergien und Neurodermitis sind vor allem unter Stadtkindern weit verbreitet. Kinder von Bauernhöfen sind dagegen deutlich seltener betroffen – dies ist schon seit Jahrzehnten bekannt. Vermutet wird, dass der frühe, häufige Kontakt der Landkinder mit bestimmten Bakterien aus der Stallluft die überschießende Reaktion des Immunsystems verhindert – so die Theorie. Doch eindeutig belegen ließ sich diese sogenannte Hygienehypothese bisher nicht, weil unklar blieb, welche Bakterien dies bewirken und wie.

Neun Bakterienarten aus dem Kuhbauch

Jetzt haben Forschende die Antwort gefunden. Für ihre Studie hatten Giulia Pagani vom Helmholtzzentrum München und ihre Kollegen Nasenabstriche und Proben aus dem Matratzenstaub von 1018 Kindern aus der Stadt oder von Bauernhöfen untersucht. Bei den Bauernhofkindern wurden zusätzlich Proben der Stallluft analysiert. Über Analysen ribosomaler RNA ermittelte das Team dann, welche Bakterien und Pilze in den Proben vorkamen und bestimmte auch deren Stoffwechselprodukte und mögliche Reaktionen der menschlichen Immunabwehr.

Es zeigte sich: Verantwortlich für den Schutzeffekt gegen Asthma, Heuschnupfen und Co. sind nur neun in Ställen vorkommende Bakterienarten. „Diese grampositiven Bakterien vermitteln zusammen zwei Drittel des gesamten Bauernhofeffekts gegen Asthma und die Hälfte des Schutzeffekts gegen Heuschnupfen und Neurodermitis“, berichtet Pagani. Bei anderen Mikroorganismen wie gram-negativen Bakterien oder Pilzsporen ließ sich hingegen kein Effekt feststellen. Die neun wirksamen Bakterienarten kommen allesamt im Verdauungstrakt von Kühen vor, wo sie Inhaltsstoffe des Futters abbauen.

Wie der Schutz vor Asthma und Allergien funktioniert

Doch wie kommt die Schutzwirkung dieser Bakterien zustande? Auch das konnten Pagani und ihr Team aufklären. Ihre Analysen zeigten, dass diese neun Bakterienarten spezielle Stoffwechselprodukte freisetzen, darunter Kynurenin, Xanthin, Alpha-Linolensäure und Stearidonsäure. Diese Substanzen gelangen in die Stallluft, werden von den Kindern eingeatmet und docken in ihren Atemwegen an zwei bestimmten Rezeptoren der Schleimhautzellen an, wie die Forschenden herausfanden.

Das Spannende daran: „Diese Rezeptoren, AhR und PPARy, haben vielfältige Funktionen, unter anderem im Immunsystem“, erklärt Seniorautor Markus Ege vom LMU Klinikum München. Die Andockstellen fungieren als körpereigene Umweltsensoren und regulieren die Reaktion der Immunabwehr auf mögliche Gefahren. Die neuen Analysen legen nun nahe, dass diese beiden Rezeptoren auch maßgeblich an der Entstehung oder Verhinderung von Allergien beteiligt sind. „Sie verhindern vermutlich die überschießende Entzündungsreaktion“, so Ege.

Ansatzpunkt für neue Medikamente

Damit ist es Pagani und ihren Kollegen erstmals gelungen, den Bauernhof-Schutzeffekt gegen Asthma, Allergien und Neurodermitis von Anfang bis Ende zu entschlüsseln – angefangen von neun Bakterienarten in der Kuh über deren Stoffwechselprodukte in der Stallluft bis zu den Rezeptoren in den menschlichen Atemwegen, die auf diese Substanzen reagieren. Diese kausalen Zusammenhänge ermöglichen es nun, die molekularen und zellulären Mechanismen hinter dieser Schutzwirkung aufzuklären.

Das Entscheidende daran: Auf Basis dieser Ergebnisse kann die Forschung nun nach Medikamenten suchen, die den Bauernhof-Effekt nachahmen. Dadurch könnte man in Zukunft verhindern, dass Asthma, Heuschnupfen und Neurodermitis entstehen - ohne dass sich Kinder dafür im Kuhstall aufhalten müssen.

Quelle: Giulia Pagani (Helmholtz Munich) et al., New England Journal of Medicine – Evidence, 2026; doi: 10.1056/EVIDoa2500271

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