Im Zentrum des Buches steht die Frage, ob und inwieweit das Vichy-Regime ein Produkt der Besetzung Frankreichs durch Deutschland in den Jahren 1940 bis 1944 war. So ist oft argumentiert worden, und der spezifisch französische Faschismus wurde auf diese Weise bagatellisiert. Rousso zeigt mit großer Genauigkeit, was den Besatzern zuzurechnen war und wie weit „Vichy“ in einer Art vorausschauendem Gehorsam gegenüber den Deutschen gehandelt hat. Er zeigt aber auch, wie es den Anhängern des Maréchal Pétain gelang, ihre Konzeptionen einer grundlegenden „Erneuerung Frankreichs“ in den Jahren der Okkupation in Abkehr von dessen demokratisch-republikanischen Tradition selbständig zu verankern.
Die Kollaboration, so sagt Rousso pointiert, war eine französische Initiative mehr, als dass sie von den Deutschen erzwungen worden wäre. Diese Grundtatsache wird an vielen einzelnen Ereignissen und Aktionen erwiesen, etwa an dem berüchtigten Juden-Gesetz, das keineswegs vom Besatzer gefordert worden war.
Man wird insgesamt bestens über die Struktur, Fakten und Hauptpersönlichkeiten des Vichy-Regimes informiert. Dar‧über hinaus ist dieses Buch aber auch für die „deutsche Seite“ der Besatzung weiterführend. Rousso zeigt beispielsweise genau den Spielraum, den die deutsche Militärverwaltung gegenüber den poli-tischen Instanzen des Nazi-Regimes hatte.
Kurz: ein Buch, aus dem man trotz der knappen Darstellung sehr viel über Frankreich und Deutschland im Zweiten Weltkrieg lernen kann.
Rezension: Prof. Dr. Gerd Krumeich




