Fast 50 Millionen Menschen weltweit sind von Demenz betroffen. Die Krankheitsmechanismen sind bislang nur zum Teil verstanden und eine Behandlung gibt es nicht. Neben der Suche nach Medikamenten liegt ein Fokus der Forschung darauf, wirksame Maßnahmen zur Vorbeugung zu finden. Frühere Studien haben bereits darauf hingedeutet, dass beeinträchtigte Sinneswahrnehmungen – etwa Schwerhörigkeit und Sehschwäche – mit einem erhöhten Risiko für Demenz verbunden sind. Eine wichtige Rolle in diesem Zusammenhang spielt die Augenerkrankung Grauer Star (Katarakt). Dabei trübt sich die Linse zunehmend ein, was bis zur Erblindung führen kann. Weltweit sind etwa 35 Millionen Menschen von Grauem Star betroffen und 20 Millionen deswegen erblindet. Das Augenlicht aber kann wieder hergestellt werden, indem die natürliche Linse entfernt und durch eine künstliche ersetzt wird.
Augen-OP gegen Demenz?
„Da sowohl sensorische Beeinträchtigungen als auch Demenz stark mit dem Altern verbunden sind, könnte mehr Wissen über den Zusammenhang zwischen sensorischen Beeinträchtigungen und Demenz wichtige Auswirkungen auf die individuelle und globale öffentliche Gesundheit haben, insbesondere wenn Maßnahmen zur Verbesserung der sensorischen Funktion das Demenzrisiko verringern“, schreibt ein Team um Cecilia Lee von der University of Washington in Seattle. Die Forscher haben daher untersucht, inwieweit die Wiederherstellung der Sehkraft durch eine Augenoperation das Demenzrisiko beeinflusst.
Dazu nutzten die Forscher Daten aus einer Langzeitstudie, die seit 1994 freiwillige Teilnehmer ab 65 Jahren regelmäßig auf eine auftretende Demenz untersucht und weitere Gesundheitsdaten erhebt. Lee und ihre Kollegen fokussierten sich auf Teilnehmer, die einen Grauen oder Grünen Star entwickelten und sich entweder dagegen operieren ließen oder nicht. Von 3.038 Personen mit Grauem Star entwickelten 853 während der Beobachtungszeit eine Demenz. 1.382 Personen ließen ihren Katarakt operieren.
Nicht jede OP hilft
„Das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, war bei Teilnehmern, die sich einer Katarakt-Extraktion unterzogen, deutlich geringer als bei Personen, die sich keiner Katarakt-Operation unterzogen“, berichten die Forscher. Die Menschen mit wiederhergestellter Sehkraft hatten im Vergleich zu den langsam erblindenden ein um etwa 30 Prozent geringeres Risiko, in den folgenden Jahren eine Demenz zu entwickeln. Um Verzerrungen auszuschließen – beispielsweise, weil sich gesündere Personen mit ohnehin geringerem Demenzrisiko eher für eine OP entscheiden – bereinigten die Forscher ihre Daten um Faktoren wie Alter, Gewicht, Blutdruck, Ernährung, Bewegung und Bildung.
Als Vergleich untersuchten sie außerdem, wie sich eine Operation des Grünen Stars auf das Demenzrisiko auswirkt. Beim Grünen Star (Glaukom) wird der Sehnerv durch einen erhöhten Augeninnendruck geschädigt. Anders als beim Grauen Star kann eine Operation die Sehkraft nicht wiederherstellen, sondern nur eine Verschlechterung verhindern. 105 von 728 Glaukom-Patienten entschieden sich während der Beobachtungszeit für eine Operation. Auf das Demenzrisiko hatte eine Glaukom-Operation allerdings keinen Einfluss.





