Britisch-australische Forschergruppe sammelt Geschwindigkeitsdaten im All
Materie trägt mit 30 Prozent zur Energiedichte des Universums bei. Das ist das Zwischenergebnis der Studie einer britisch-australischen Forschergruppe, die bisher die Geschwindigkeitsdaten von 141.000 Galaxien ausgewertet hat. Die Forscher stellen ihre Arbeit in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature (Bd. 410, S. 169) vor.
Die Gruppe wertete die Daten der so genannten 2dF-Vermessung des AAO-Teleskops in Australien aus. Bei dieser Vermessung werden die Bewegungen von Galaxien in Galaxien-Superhaufen untersucht. Die Geschwindigkeit der Galaxien lässt sich anhand ihrer Rotverschiebung ermitteln: Ähnlich wie für einen Beobachter die Tonhöhe eines vorbeifahrenden Autos von der Fahrtgeschwindigkeit und -richtung des Autos abhängt, ändert sich die gemessene Wellenlänge des Lichts der Galaxien mit deren Geschwindigkeit.
Die Auswertung der Geschwindigkeitsdaten ergab, dass die Superhaufen aufgrund ihrer Masse weitere Galaxien anziehen. Damit wird die kosmologische Standardtheorie bestätigt. Diese besagt, dass winzige Dichteschwankungen in einem anfänglich nahezu homogenem Universum die Bildung von Galaxien und Galaxienhaufen initiiert haben. Des weiteren ergab eine detaillierte Analyse der Daten, dass das Universum zu 30 Prozent aus Materie besteht.
Zusammen mit den Messungen der kosmischen Hintergrundstrahlung ergibt sich derzeit folgendes Bild des Universums: Von den 30 Prozent sind nur 3 Prozent gewöhnliche Materie. Außer einem 0,3-Prozent-Anteil von Neutrinos bestehen die restlichen 27 Prozent aus “Dunkler Materie”, über die keine weiteren Informationen vorliegen. 70 Prozent der Energiedichte des Universums bestehen schließlich aus Dunkler Energie, die möglicherweise der von Einstein zunächst eingeführten, dann aber wieder verworfenen kosmologischen Konstanten entspricht. Außerdem ist das Universum flach und wird sich für immer ausdehnen. Die Dunkle Energie bewirkt, dass sich diese Ausdehnung sogar beschleunigt.
Mehr über die kosmische Hintergrundstrahlung sind in unseren Meldungen “Aufgeblasenes Universum – Messung der kosmischen Hintergrundstrahlung unterstützt Inflationstheorie” , “Fehlender zweiter “Peak” der kosmischen Hintergrundstrahlung gefunden?” und “Gewogen und für flach befunden – das Universum” zu erfahren.
Axel Tillemans





