Haben Sie Zeit für eine einfache gymnastische Übung – garantiert nicht anstrengend, aber äußerst erstaunlich? Eine Übung, mit der Sie bei der nächsten Party für allgemeine Verblüffung sorgen können? Dann setzen Sie sich bitte auf einen Stuhl, heben Ihr rechtes Bein leicht an und bewegen es kreisend im Uhrzeigersinn. Während Sie das tun, malen Sie mit der rechten (!) Hand, oben beginnend, eine große Sechs in die Luft. Dabei achten Sie auf das rechte Bein. Das zeigt nämlich, ohne dass Sie etwas dagegen tun können, plötzlich ein Eigenleben: Entweder steht es abrupt still, oder es dreht sich auf einmal links herum, also gegen den Uhrzeigersinn. Sie können das gerne mehrfach probieren, es wird Ihnen nicht gelingen, Hand- und Fußbewegung synchron auszuführen. Schreiben Sie die Sechs mit der linken Hand, gibt es kein Problem. Auch nicht, wenn Sie das linke Bein kreisen lassen und für die Sechs die rechte Hand benutzen. Aber mit Arm und Bein derselben Körperhälfte ist die Sache beim besten Willen nicht zu schaffen.
Das liegt daran, dass jeder vom Gehirn ausgehende Befehl, eine Bewegung durchzuführen, in unterschiedlicher Stärke alle Muskeln einer Körperseite betrifft. Deswegen kommt der Befehl, die Hand beim Schreiben der Sechs gegen den Uhrzeigersinn zu drehen, auch beim sich entgegengesetzt bewegenden Fuß an. Der übernimmt dann entweder ganz automatisch dieselbe Bewegung oder hört – schlichtweg überfordert – einfach mitten in der Drehbewegung auf.
Genauso ist es mit einer anderen Herausforderung: Versuchen Sie doch mal, an einem Ihrer beiden Ellenbogen (welcher, spielt keine Rolle) zu lecken. Sie können sich noch so verrenken, können einen Arm mit dem anderen so nah wie möglich an Ihren Mund heranziehen oder die Zunge weitestmöglich herausstrecken, es wird alles nichts nützen. Der Ellenbogen bleibt unerreichbar. Das liegt am Zusammenspiel der Knochen und Muskeln der Arme, das zwar sehr viele Bewegungen in die unterschiedlichsten Richtungen ermöglicht, aber eben nicht eine Drehung, die den Ellenbogen nach innen bringt. Was natürlich, wenn man ehrlich ist, ebenso wie die Aktion mit den drehenden Füßen und Händen problemlos zu verschmerzen ist.
Neben diesen Übungen gibt es andere, die zwar bei vielen Menschen ebenfalls nicht funktionieren, bei einigen aber sehr wohl. Bei denen nämlich, die dafür bestimmte anatomische oder physiologische Voraussetzungen mitbringen. Dazu gehört es etwa, mit den Ohren zu wackeln. Bei manchen Personen, die das können, sind noch rudimentäre Muskeln funktionsfähig, die wir zwar alle besitzen, aber schon seit langer Zeit nicht mehr benutzen. Die ermöglichten es unseren steinzeitlichen Vorfahren, ihre Ohrmuscheln in alle Himmelsrichtungen zu drehen, wie man das von wild lebenden Tieren kennt, deren Ohren pausenlos in Bewegung sind, um eine mögliche Gefahr rechtzeitig wahrzunehmen.





