Alkohol enthält viele Kalorien und sorgt für einen Rauschzustand, der zu einer gelösten Stimmung beitragen kann. Wir Menschen konsumieren alkoholhaltige Getränke üblicherweise vor allem aus dem zweiten Grund, etwa zu einem gemütlichen Beisammensein mit Freunden oder bei Partys. Beobachtungen von Schimpansen, die alkoholhaltiges Fallobst in Gemeinschaft teilen, legen nahe, dass auch für sie die soziale Komponente eine Rolle spielen könnte. Anders als für uns dürfte für unsere nächsten Verwandten aber auch der hohe Kaloriengehalt des Alkohols ein Vorteil sein.
Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass eine Genmutation beim letzten gemeinsamen Vorfahren von Menschen, Schimpansen und Gorillas die Fähigkeit, Ethanol zu verstoffwechseln, erheblich verbessert hat. Dadurch wurde vergorenes Fallobst zu einer attraktiven Energiequelle, die unsere Vorfahren womöglich beim Wechsel von einer Lebensweise in den Bäumen zu einem Leben am Boden unterstützte.
„Scrumping“ als neues Fachwort
„Die Überprüfung dieser Idee steht allerdings vor zwei Problemen: Die Ethanolexposition afrikanischer Menschenaffen ist so gut wie unbekannt, und Primatologen unterscheiden in ihren Feldnotizen selten zwischen Fallobst und frisch vom Baum gepflückten Früchten“, erklärt ein Team um Nathaniel Dominy vom Dartmouth College in New Hampshire. „Deshalb wissen wir nur wenig darüber, wie oft Menschenaffen Früchte vom Boden verzehren. Tatsächlich haben wir nicht einmal ein Wort für dieses Verhalten.“
Aus Sicht der Forschenden erschwert das Fehlen eines eigenen Begriffs für das Verzehren von Fallobst die Erforschung dieses Phänomens. „Niemand will mehr Fachjargon, aber manchmal brauchen wir ein neues Wort oder eine neue Wortschöpfung, um ein grundlegendes Konzept zu erfassen“, schreiben sie. Deshalb schlagen sie einen neuen Fachbegriff vor: „Scrumping“. Im Englischen bezeichnet das Wort traditionell das Stehlen von Früchten, insbesondere Äpfeln. Ein in Westengland beliebter Apfelwein trägt den Namen „Scrumpy“. Der Begriff leitet sich von dem altdeutschen „Schrimpen“ ab, das sich heute noch in deutschen Wörtern wie „verschrumpelt“ findet.
Wo sich unsere nächsten Verwandten unterscheiden
Um herauszufinden, wie verbreitet das „Scrumping“ unter Menschenaffen ist, werteten Dominy und seine Kollegen Berichte über die Ernährung von Orang-Utans, Schimpansen, Berggorillas und westlichen Flachlandgorillas aus. Da in diesen Berichten das neu geschaffene Fachwort noch fehlte, nutzten die Forschenden die Höhe, in der der Affe eine Frucht verzehrte, als Hinweis. Sammelten und fraßen die Affen eine Frucht am Boden, die eigentlich in den Bäumen wächst, zählte das als „Scrumping“. Das Ergebnis der bisherigen Auswertungen: Schimpansen und Gorillas verzehren regelmäßig Früchte am Boden, Orang-Utans jedoch nicht.





