Seit etwa 14 Millionen Jahren bedeckt ein riesiger Eisschild die Antarktis. Doch auch schon in den Jahrmillionen davor wuchsen auf dem Südkontinent immer wieder Gletscher heran. Die Eisströme frästen gewaltige U-förmige Täler in die Gebirge am Rand des Kontinents, berichten Forscher um Duncan Young. Unter dem Eisdeckel verbirgt sich eine Landschaft wie in Norwegen oder Grönland.
Die Forscher durchleuchteten einen Bereich im pazifischen Sektor der Antarktis, das Aurora-Becken, mit Radarwellen. Dabei kamen ein bislang unbekanntes Gebirge und steile, bis zu 50 Kilometer breite Täler zum Vorschein. “Wir wussten fast nichts darüber, was in diesem Teil der Antarktis unter dem Eis verborgen ist, aber jetzt haben wir es ans Licht gebracht”, sagt Duncan Young.
Das Aurora-Becken interessierte die Forscher deswegen, weil seine Basis teilweise einen Kilometer unter dem Meeresspiegel liegt. Dadurch ist das Eis dort besonders anfällig: Wenn Meerwasser unter das Eis vordringt, könnte es zu schwimmen beginnen und den Meeresspiegel plötzlich um mehrere Meter ansteigen lassen.
Der Blick unter das Eis gibt den Forschern eine Vorstellung davon, wie die Antarktis aussah, bevor sie vollständig vereiste. “Damals war die Erde wesentlich wärmer als heute, und der Eisschild war sehr dynamisch”, sagt Young. Mindestens 30 Mal stießen die Gletscher vor und zogen sich dann wieder zurück. Große Mengen Schmelzwasser flossen an den Rändern der Antarktis ins Meer, aber auch Gletscher bahnten sich ihren Weg zur Küste.
Als die Fjorde entstanden, lag der Rand des Eisschildes 400 bis 700 Kilometer weiter im Inland als heute. Das Eis höhlte das Aurora-Becken aus, sodass es zum Meer hin sogar ansteigt: Die tiefsten Bereiche des Beckens liegen einige Hundert Kilometer von der Küste entfernt. Wann die Täler entstanden, können die Forscher nicht genau sagen. Sie vermuten aber, dass dies schon vor mindestens 14 Millionen Jahren geschah ? bevor der Eispanzer der Antarktis den relativ stabilen Zustand erreichte, den er heute hat. Neue Messungen zeigen allerdings, dass das Eis am Rande des Aurora-Beckens sich zurückzieht.
Duncan Young (University of Texas in Austin) et al.: Nature Bd. 474, S. 72, doi:10.1038/nature10114 wissenschaft.de – Ute Kehse





