Eva Gesine Baur und Thomas Klinger zeigen in ihrem Bildband das Leben jener starken und klugen Frauen, die für ihre Ideale eingetreten sind und so das Bild der Stadt mit geprägt haben, aber dennoch nicht gebührend geehrt werden. In 13 Porträts zeigt die Autorin, wie Frauen in der Lagunenstadt gelebt und geliebt haben.
So zum Beispiel die Liebe, die Anna Girò und Antonio Vivaldi miteinander verbunden hat. Noch blutjung, wurde Anna bereits eine Liaison mit dem etwa sechzigjährigen Vivaldi nachgesagt. Der Priester erteilte der jungen Sängerin Musikunterricht. Kaum jemanden störte der Altersunterschied oder auch die Tatsache, daß Vivaldi Priester war. Allerdings erschien eine Bindung zwischen dem jungen Star und dem alternden Komponisten, der schon längst nicht mehr umjubelt wurde, hinderlich für die Karriere Annas. Aber alle Versuche die Beziehung auseinander zu bringen, scheiterten: Zwar verließ das Paar Venedig, aber Anna blieb bis zu dem Tod bei ihrem Antonio. Während aber Vivaldi noch heute gefeiert wird, wird Anna Girò kaum noch erwähnt.
Eine glückliche Zeit in Venedig war auch Eleonora Duse nicht beschieden. Die Schauspielerin, die bekannt war für ihre melancholischen Auftritte, die zu Tränen rührten, verliebte sich, während ihrer Zeit in der Lagunenstadt, in den egozentrischen Frauenhelden Gabriele D`Anunzio Ihre Beziehung entwickelte sich zu einer Qual für die Diva. Er benutzte ihren Ruhm und ihr Geld für seine eigene Karriere, aber sie konnte nicht von ihm lassen. Bald schon wurde die Duse von der Eifersucht zerfressen, aber erst die Veröffentlichung seines neuesten Werkes, “Das Feuer”, führte zum Bruch. Es war eine Schilderung ihrer Geschichte: Er stellte sich selbst als skrupellosen Übermenschen dar und Eleonore als seine alternde, eifersüchtige Geliebte. Sie fühlte sich bloßgestellt und sah keine andere Möglichkeit als die Liaison zu beenden. Aber mit dem Ende starb auch etwas in der umfeierten Diva: Venedig hatte seinen Reiz verloren.
Auch die Geschichten weiterer venezianischer Frauen werden bewegend geschildert, wie zum Beispiel das Leben der bekannten Pastellmalerin Rosalba Carriera, die für ihre Porträts europaweiten Ruhm erntete, aber kein Glück in ihrem eigenen Leben fand. Aufopfernd sorgte sie für ihre Familie und mußte mit ansehen wie ihre Liebsten vor ihr starben, selbst ihre jüngere Schwestern. Elf Jahre vor ihrem Tod erblindete die große Malerin, und mußte erkennen, daß ihr Leben und ihre Werke bereits in Vergessenheit gerieten. Auch die 14 Jahre Ehe Cosimas mit Richard Wagner fanden in Venedig ein unromantisches und unglückliches Ende. Die nicht emanzipierte Cosima, die sich ihrem tyrannischen Mann unterordnete, mußte ertragen, daß ihr Mann sich eine Geliebte ins Haus holte. Ihrer Eifersuchtsszene folgt seine tödliche Herzattacke. In ihr Tagebuch schreibt sie noch: “Venedig muß vergessen werden”.





