Goebbels war von Harlans Filmen begeistert, und ein faustischer Pakt mit dem satanischen Propagandaminister bahnte sich an. Harlan und seine 1938 von ihm geschiedene Frau Hilde Körber waren in die Liebesaffäre zwischen Goebbels und der Schauspielerin Lida Baarova verwickelt, die den Minister bei Hitler zeitweise in Ungnade brachte. Die Schwedin Kristina Söderbaum, die Harlan dann heira‧tete, spielte Hauptrollen in „Jud Süß“ und am Ende noch in dem Durchhaltefilm „Kolberg“. Bei Harlans letzter Begegnung mit Goebbels Mitte Februar 1945 sprach der Minister von Tod und Himmelfahrt, „seine sonst so kräftig blitzenden und sprühenden Augen hatten einen schwachen Glanz“.
Buchloh, die ein breites Archivmaterial erschlossen hat, ist bemüht, Harlan gerecht zu werden. Sie betont, dass Harlan kein Antisemit war, rassisch verfolgte Kollegen schützte und nie der NSDAP beitrat, was für ihn erhebliche finanzielle Nachteile mit sich brachte. Nach 1945 kam der Regisseur zweimal vor Gericht und wurde freigesprochen. Für viele war er ein Sündenbock. Es wäre sicher für Harlan gefährlich gewesen, sich aus der fatalen Umarmung des Ministers zu befreien, und er hatte nie die Kraft dazu. So konnte er sich den bis in die kleinsten Einzelheiten der Drehbücher gehenden Goebbels’schen Anordnungen kaum widersetzen.
Trotzdem meint die Verfasserin, dass Harlan den Anti‧semitismus im Film „Jud Süß“ entschärft habe und dass es vom Zuschauer abhänge, ob der Film antisemitisch aufgefasst wird. Harlans durch Sex und Gewalt emotionalisiertes Bild des Hofjuden war jedoch so wirksam, das Himmler den Film für geeignet hielt, die SS-Belegschaften der Vernichtungslager zu motivieren. Harlans eigener Sohn jedenfalls konnte seinem Vater nie verzeihen.
Rezension: Prof. Dr. Edgar Feuchtwanger




