Seit die Wirbeltiere vor rund 380 Millionen Jahren an Land gingen, haben sie mehrfach erneut das Meer besiedelt. Säugetiere, Reptilien und sogar Vögel haben Arten hervorgebracht, die sich an ein Leben in den Ozeanen angepasst haben. Nur Amphibien schienen bislang zu fehlen. Alle heutigen Arten der Kröten, Frösche und Molche sind auf Süßwasser angewiesen. Sowohl ihre Eier, als auch die Haut der erwachsenen Tiere sind so durchlässig, dass sie im Salzwasser rasch lebenswichtige Flüssigkeit verlieren.
Am Boden des Meeres
Doch nun hat ein Team um Lipin Diao vom Geologischen Museum Guizhou in China zwei nahezu vollständige Skelette von Amphibien entdeckt, die vor rund 237 Jahren Millionen offenbar am Meeresboden lebten. Die Fundstätte in der chinesischen Provinz Guizhou lag damals mitten im Ozean, hunderte Kilometer entfernt vom nächsten Festland und mindestens 30 Kilometer entfernt von möglichen Inseln.
„Bisher haben wir hauptsächlich Meeresreptilien und Fische aus dieser Gegend untersucht“, sagt Co-Autor Ryosuke Motani von der University of California in Davis. „Nun haben wir auch dieses Amphibium und es ist ein sehr ungewöhnliches Mitglied dieser Abstammungslinie.“ Da die Skelette sehr gut erhalten sind, gehen die Paläontologen davon aus, dass diese Fossilien nicht erst nachträglich in diese Region gespült wurden. Auch Isotopenanalysen der Knochen legen nahe, dass die neu entdeckte Art, der die Forschenden den Namen Gerrothorax maritimus gaben, ihr Leben im Meer verbrachte.

Das Skelett von Gerrothorax maritimus offenbart einen massigen Körperbau. Da sogar die einzelnen Fingerglieder erhalten sind, gehen die Forschenden davon aus, dass die Fossilien nicht erst nachträglich an ihren Fundort gespült wurden. — © Ryosuke Motani
Riesenlurch mit Panzerhaut
Im Vergleich zu heutigen Amphibien war das urzeitliche Meeresamphibium außergewöhnlich groß und schwer: Die Skelette deuten auf eine Länge von mehr als 73 Zentimetern hin, bei einem kompakten, massigen Körperbau. Der Körper war abgeflacht und von einer knöchernen Panzerung bedeckt. Diese könnte zum einen als Schutz vor Fressfeinden wie Meeressauriern gedient haben. Zum anderen stellte sie wahrscheinlich eine wichtige Barriere gegen das Salzwasser dar.
„Die vollständige Körperpanzerung schränkte den für Amphibien typischen Wasser-, Gas- und Salzaustausch über die Haut ein und erzwang stattdessen die Nutzung von Kiemen und Darm, die salztoleranter sein können“, erklären die Forschenden. „Diese Anpassung könnte für das Leben im Meer entscheidend gewesen sein.“
Besonders beweglich war das schwergepanzerte Meeresamphibium wahrscheinlich nicht: Außerhalb des Wassers hätten seine Beine kaum sein Körpergewicht tragen können. Und auch im Wasser pflegte es wahrscheinlich einen eher gemächlichen Lebensstil: Anhand der Schädelform gehen die Paläontologen davon aus, dass es sich bei Gerrothorax maritimus um einen am Meeresboden lebenden Saugfresser handelte. „Er hat wahrscheinlich einfach am Meeresboden gewartet und dann, wenn Beute vorbeikam, diese angesaugt“, erklärt Matani.
Quelle: Lipin Diao (Geological Museum of Guizhou, Guiyang, China) et al., Nature Ecology & Evolution, doi: 10.1038/s41559-026-03209-9





