Vor allem zu Beginn einer Schwangerschaft leiden viele Frauen unter Übelkeit und Erbrechen. Bei manchen sind die Symptome so stark ausgeprägt, dass eine lebensgefährliche Dehydrierung droht. Die sogenannte Hyperemesis gravidarum, eine besonders schwere Form der Schwangerschaftsübelkeit, ist daher einer der häufigsten Gründe für Krankenhauseinweisungen im ersten Trimester der Schwangerschaft. Die Ursachen waren lange unklar und die Behandlungsmöglichkeiten beschränkten sich darauf, Betroffenen intravenös Flüssigkeit zu verabreichen und Medikamente gegen allgemeine Übelkeit zu verschreiben.
Fetales Hormon als Ursache
Ein Team um Marlena Fejzo von der University of Southern California ist nun den Ursachen der Schwangerschaftsübelkeit auf den Grund gegangen. Bereits frühere Studien hatten Hinweise darauf geliefert, dass das Hormon GDF15 eine Rolle spielen könnte. Dabei handelt es sich um ein Wachstumsdifferenzierungshormon, das in den meisten Organen des Körpers in niedriger Konzentration produziert wird und während der Schwangerschaft verstärkt vom Fötus in den mütterlichen Organismus freigesetzt wird. Ob tatsächlich ein kausaler Zusammenhang zwischen GDF15 und Schwangerschaftsübelkeit besteht, war allerdings noch unklar.
Mit einer Kombination verschiedener Methoden – von Bluttests und genetischen Untersuchungen bis hin zu Tierversuchen – haben Fejzo und ihr Team nun nachgewiesen, dass die Schwangerschaftsübelkeit, einschließlich der schweren Form, wirklich durch GDF15 ausgelöst wird. Besonders schwer ausgeprägt ist die Übelkeit demnach bei Frauen, die vor der Schwangerschaft eine geringe GDF15-Konzentration hatten. Offenbar ist ihr Körper kaum an das Hormon gewöhnt und reagiert deshalb besonders stark, wenn er während der Schwangerschaft mit hohen Konzentrationen des Hormons konfrontiert wird. „Wir wissen jetzt, dass Frauen während der Schwangerschaft unter Übelkeit leiden, wenn sie höheren Konzentrationen des Hormons GDF15 ausgesetzt sind, als sie es gewohnt sind“, erklärt Fejzo.
Unterschiedliche Empfindlichkeit für GDF15
Genanalysen zeigten, dass eine seltene Mutation im GDF15-Gen der Mutter das Risiko für Hyperemesis gravidarum erhöhen kann. Diese Mutation sorgt dafür, dass der GDF15-Spiegel außerhalb der Schwangerschaft abnormal niedrig ist. Trägt der Fötus die gleiche Mutation, ist das Übelkeitsrisiko der Mutter nicht erhöht. Produziert der Fötus dagegen in normalem Maße GDF15, hat die Mutter ein mindestens zehnfach erhöhtes Risiko für schwere Schwangerschaftsübelkeit. Frauen dagegen, die an der Erbkrankheit beta-Thalassämie leiden, die neben zahlreichen anderen Symptomen dafür sorgt, dass der GDF15-Spiegel auch außerhalb der Schwangerschaft besonders hoch ist, haben in der Schwangerschaft kaum Probleme mit Übelkeit – wahrscheinlich, weil ihr Körper an das Hormon gewöhnt ist.





