Die Frage ist jedoch: Sind Insektenhotels tatsächlich eine gute Idee oder sind sie nur gut gemeint, während sie eigentlich einen negativen Effekt haben?
Die Einleitung ist natürlich schon ein kleiner Spoiler, denn bereits der Name Insektenhotel ist nicht optimal gewählt. Denn tatsächlich ist ein sogenanntes Insektenhotel nicht für alle Insekten geeignet. Heuschrecken und Libellen können damit kaum was anfangen. Laufkäfer ebenso wenig. Aber nicht, weil der lieber im Laufhaus nächtigt. Stammgäste wären vor allem Wespen und Wildbienen, etwa die Gallische Feldwespe oder die Südliche Holzbiene.
Was wäre also ein besserer Name? „Air Bee ’n Bee“? Auch nicht wirklich. Deutlich sinnvoller wäre hingegen der Ausdruck „Nisthilfen“. Denn genau das bräuchten manche Insekten, nachdem wir einerseits den Boden versiegeln, als ob es dadurch was gratis für uns gäbe, und andererseits jedes kleine Stück Totholz aus dem Garten verschwinden lassen, damit wir von den Nachbarn keine üble Nachrede zu befürchten haben. Und wer seine Hecke nicht regelmäßig trimmt, wird vermutlich enterbt oder verliert die Staatsbürgerschaft. Oder muss dreimal aussetzen. Wo in solchen Gärten noch ausreichend Nistplätze zu finden sein sollen, weiß kein Mensch und die Insekten schon gar nicht. Hotel ist also zumindest irreführend, denn die Insekten kämpfen in Wirklichkeit ums Überleben und fliegen nicht auf Urlaub zu uns.
Darüber hinaus ist ein Großteil der im Handel erhältlichen Nisthilfen unbrauchbar für bestimmte Insekten wie Wildbienen. Doch viele Menschen wissen gar nicht, was sie da kaufen. Und das gilt auch für zahlreiche Selbstbau-Anleitungen aus dem Internet. Die wissen auch nicht, was sie da kaufen? Nein, aber neben sehr wenigen seriösen Angeboten sind die meisten als Nisthilfen nicht nur ungeeignet für fast alle Insekten, sondern stellen sogar eine zusätzliche Gefahr dar. Egal, ob im Baumarkt gekauft oder selbst gebastelt.
Krepieren beim Reversieren
Denn wenn man für Wildbienen Löcher ins Holz bohrt, müssen diese nicht nur breit und tief genug sein, sondern auch die Einschlüpföffnungen absolut glatt, weil Wildbienen teilweise rückwärts in die Nistgänge einfädeln. Sie piepsen dabei allerdings nicht wie Lkw beim Reversieren, trotzdem kann man sie aber vermutlich ganz leise jaulen hören, wenn ihnen beim Einparken Unebenheiten im Holz die Flügel irreparabel beschädigen. Und so ein Parkschaden ist in ihrer Welt keine Lappalie und ein Fall für die Vollkaskoversicherung, sondern in der Regel ein Todesurteil. „Oha!“, denken da vielleicht manche, „da wäre Betonieren vielleicht besser als die konventionelle Holzbauweise“. Doch wer diese Idee in die Tat umsetzt, erhöht tatsächlich einfach nur die Chancen, den Emsen und ihrer Brut beim Verschimmeln zuzusehen, da Betonstein Feuchtigkeit anzieht. Das empfiehlt sich also nur, wenn man auf Gorgonzola-Bienen spitzt.





