Von THOMAS ZAUNER
Früher Morgen und volle U-Bahn. Ein lautes Niesen von hinten. Schon zucken die übrigen Fahrgäste zusammen. Denn nicht erst seit der COVID-19-Pandemie ist uns allen bekannt, was das bedeutet: Tausende Teilchen werden in die Luft geprustet. Sie enthalten Mikroorganismen, darunter auch Krankheitserreger, die dabei zu Luftplankton werden.
Jedoch fliegen nicht nur schädliche Erreger durch die Luft. Die Atmosphäre ist voll von mikroskopischem Luftplankton, das von Bakterien und Archaeen über Algen bis zu Viren reicht. Schätzungen gehen von etwa 100 Zellen pro Kubikmeter in der Troposphäre aus, der untersten Schicht der Erdatmosphäre. Doch ihre Erforschung gestaltet sich schwierig.
Größter Lebensraum
Eine enorme Herausforderung bildet das schiere Ausmaß der Atmosphäre. Mit Milliarden von Kubikkilometern Luft ist dieser Lebensraum dem Volumen nach der größte der Erde. Die meisten Mikroben findet man in der Troposphäre, die vom Erdboden bis zur Stratosphäre – in 8 bis 18 Kilometer Höhe – reicht.
Luftplankton zeigt besondere Anpassungen an die höhere Intensität der schädlichen UV-Strahlung, die extreme Kälte und den Mangel an Sauerstoff und Feuchtigkeit. Dazu zählen Überdauerungsformen wie Sporen oder Zysten.
Aber auch verbesserte Mechanismen, um die Schäden durch Strahlung zu reparieren, oder die Fähigkeit, auszutrocknen und bei Kontakt mit Wasser wieder zum Leben zu erwachen, gehören dazu. Manche Algen und Cyanobakterien haben auch einen eingebauten Sonnenschutz, um trotz der intensiven Strahlung Photosynthese zu betreiben.
Ausgetrockneter Tiefschlaf
Viele Bakterienarten können Sporen als Überdauerungsform ausbilden. Diese sogenannten Endosporen werden innerhalb des Organismus gebildet. Sie dienen nicht der Vermehrung, sondern um widrigen Umweltbedingungen und Nahrungsmangel zu trotzen. Das machen zum Beispiel die gefährlichen Bakterien, die Anthrax (Milzbrand), Botulismus (Fleischvergiftung) oder Tetanus (Wundstarrkrampf) verursachen.
Es funktioniert ähnlich wie eine Zellteilung, jedoch innerhalb der Zellmembran. Dabei werden die DNA und Ribosomen zusammen mit haltbar machenden Stoffen in eine Kapsel gepackt. Form und Lage der Endosporen lassen morphologische Rückschlüsse auf die Art des vorliegenden Bakteriums zu.
In diesem Zustand können die Bakterien viele Jahre überdauern, bis sie wieder günstigere Umweltbedingungen finden. In einer Studie im Fachjournal Nature aus dem Jahr 2000 wurden sogar Bakteriensporen beschrieben, die nach einem Tiefschlaf von 250 Millionen Jahren im Gestein wieder zum Leben erweckt wurden.





