Aufgrund von radiometrischen Altersdatierungen an Korallenriffen hat ein internationales Forscherteam jetzt einen weiteren Hinweis auf die Richtigkeit der sogenannten Milankovic-Theorie gefunden. Das berichtet die Zeitschrift Science. Der 1958 verstorbene Astronom Milutin Milankovic glaubte, dass die Entstehung der Eiszeiten astronomische Ursachen hat.
Claudine Stirling von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich und ihre Kollegen führten Untersuchung an Korallenriffen in der Nähe der Pazifik-Insel Henderson durch. Die Forscher konnten nachweisen, dass der Meeresspiegel vor 330.000 Jahren und vor 630.000 Jahren jeweils Höchststände aufwies. Das deckt sich mit Milankovic-Theorie, die für diese Zeiträume Warmzeiten vorhersagt.
Da Korallen zum Wachsen Licht benötigen, spielt sich das Korallenwachstum nur bis in Tiefen von rund 40 Metern ab. Das erlaubt den Forschern Rückschlüsse auf die Höhe des Meeresspiegels. Den Zeitpunkt der Bildung der Korallenriffe bestimmten Stirling und ihre Kollegen anhand radiometrischer Altersdatierungen an Uran und seinem Zerfallsprodukt Thorium. Uran ist in sehr geringer Konzentration im Meerwasser enthalten und wird von den Korallen aufgenommen und eingelagert.
Die Eiszeiten entstehen durch geringe Änderungen der Sonneneinstrahlung. Die Ellipse, auf der die Erde um die Sonne kreist, ist nicht konstant, sondern “pulsiert” zwischen einem fast kreisförmigem Zustand und einer mehr elliptischen Form. Verursacht wird dieser Zyklus, der etwa 100.000 Jahre dauert, durch Störungen, die die Schwerkraft Jupiters und der anderen Planeten auf die Erde ausübt. Hinzu kommen zwei Zyklen, die die Neigung der Erdachse betreffen: Zum einen torkelt die Erde wie ein Kreisel mit einer Periode von 22.000 Jahren, zum anderen schwankt die Neigungsstärke der Erdachse mit einer Periode von 41.000 Jahren.
Dass die Forscher nur für zwei Warmzeiten ein Korallenwachstum gefunden haben, führen sie auf die geographische Lage der Insel zurück. Henderson liegt im subtropischen Bereich des Pazifischen Ozeans. Hier können sich Korallen nur während einer überdurchschnittlich langen Wärmeperiode ausbreiten.
Axel Tillemans





