Mythen und Gegenmythen bilden dabei den Ausgangspunkt. Anhand sorgsam ausgewählter Themen rückt der Autor manches gewachsene Urteil zurecht. Cohen beschreibt die Grundlagen des religiösen Konfliktpotentials zwischen Juden, Christen und Muslimen und erörtert in den wesentlichen Grundzügen die rechtliche Stellung von Juden unter der Herrschaft von Kreuz und Halbmond. Auch widmet er sich der wirtschaftlichen Rolle der Juden sowie ihrem Rang in der islamischen wie der christlichen Gesellschaft. Schließlich wirft er einen vergleichenden Blick auf religiöse Polemiken sowie die Verfolgungen von Juden in beiden Kulturkreisen und deren Auswirkungen auf das kollektive Gedächtnis.
Der Leser erfährt dabei im Spiegel fundierter Quelleninterpretationen, daß weder das vorherrschende Bild vom „Goldenen Zeitalter“ der Juden unter islamischer noch das endloser Pogrome unter christlicher Herrschaft in aller Absolutheit Bestand haben. Brillant erläutert der Autor die Entwicklungen, Hintergründe und Intentionen historischer Wertungen wie auch die Konstruktion allzu einseitiger Geschichtsbilder bis in die jüng-ste Zeit hinein. So trägt die Auseinandersetzung mit der historischen Dimension des Zusammenlebens von Juden, Christen und Muslimen viel zum Verständnis gegenwärtiger Situationen bei. Angesichts der herausragenden Qualität des Buches ist es allerdings bedauerlich, daß der Verlag den wertvollen Anmerkungsteil der Originalausgabe aus der deutschen Fassung herausgestrichen hat.
Rezension: Jankrift, Kay Peter




