Dieses Buch steckt voller Überraschungen. Die Stadt Paris etwa steht auf einem System von insgesamt etwa 300 Kilometern Steinbruchstollen. Dass diese im Mittelalter zum Teil zu Katakomben umfunktioniert wurden und darin kilometerlang Knochen fein säuberlich aufeinander gestapelt liegen, wird nicht jeder wissen. Die Eingänge zu diesem unterirdischen Labyrinth sind größtenteils verschlossen, um den Zutritt nur kontrolliert zu ermöglichen.
Das Beispiel von Paris steht hier beispielhaft für die anderen im Buch behandelten unterirdischen Gangsysteme verschiedener Metropolen, darunter London, Rom, New York, Moskau und Peking. Hellmayr taucht tief in die Entstehungsgeschichte dieser Städte ein und erklärt, wie es dazu kommt, dass Stollen errichtet und Gänge befestigt wurden. Gründe dafür gibt es viele: Kanalisationen und Wasserreservoirs begünstigen früher wie heute das Wachstum der Städte, Flussläufe wurden überbaut, um wie etwa in London dadurch mehr Raum für die Stadtentwicklung zu schaffen, U-Bahntunnel wurden gebohrt und oft wieder aufgegeben. Nicht zuletzt schuf man unter der Erde durch Schutzbunker Fluchtmöglichkeiten aus den Gefahren eines befürchteten oder tatsächlichen Krieges.
Hellmayr versteht es, den Leser an die Hand zu nehmen und ihm die Geschichte hinter diesen Unterwelten, aber auch geologische Besonderheiten der Städte zu vermitteln. Dabei lässt sie die verlassenen, dunklen Orte anschaulich wieder aufleben, indem sie lokale Legenden, Bräuche und Anekdoten wiedergibt.
Die Autorin legt sich weder räumlich auf bestimmte Städte noch zeitlich auf feste Epochen fest, so dass eine bunte Mischung von Untergrundgeschichten aus der Antike bis in die Moderne entsteht: Ein lohnenswertes Buch für jeden, der sich für die „tiefergehende“ Seite bekannter Städte interessiert!
Rezension: Debora Pape




