Frau Thürmann, was sind die wichtigsten Warnzeichen dafür, dass Patienten an unerwünschten Arzneimittelwirkungen leiden?
Das Problem betrifft vor allem ältere Menschen. Wenn es bei ihnen plötzlich zu Verwirrtheit kommt, sollten die Angehörigen mit dem Arzt prüfen, ob nicht ein neu verordnetes Mittel dahinter steckt. Ich möchte das Problem aber nicht in erster Linie an Symptomen festmachen.
Sondern?
Ärzte sollten immer an die Möglichkeit unerwünschter Arzneimittelwirkungen denken. Bevor man gerade einen älteren Menschen wegen Magenblutungen, Verwirrtheit oder einer Hepatitis durch die diagnostische Mühle dreht, sollte man prüfen, welche Mittel er einnimmt, welches Nebenwirkungsprofil sie haben und ob die Dosierungen stimmen.
Warum?
Viele ältere Herrschaften nehmen fünf, zehn und mehr Mittel ein. In Altersheimen finden wir Spitzenreiter mit 17 verschiedenen Arzneimitteln am Tag. Doch mit jedem Mittel steigt das Risiko für gefährliche Wechselwirkungen.
Womöglich sind die Mittel aber wichtig?
Ja, doch vielleicht nicht alle. Das Problem ist, dass zu viele Ärzte allein auf ihr Fachgebiet schauen. Der Kardiologe, der Diabetologe, der Neurologe … Wenn jeder Spezialist nach seiner Leitlinie verordnet, sind wir rasch bei zehn Mitteln. Uns fehlt die Abstimmung, eine Leitlinie, die vorschlägt, was man weglassen kann.
Was kann der Patient tun?
Suchen Sie sich einen Hausarzt, der mit Ihnen einmal im Jahr die komplette Medikation durchgeht.





