Laborwerte sind aus der modernen Medizin nicht mehr wegzudenken. Doch viele Tests werden unnötig und nur aus reiner Routine durchgeführt. Das bemängeln Experten der Deutschen Vereinten Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin. Sie erläutern das an einem Beispiel: Einer 55-jährigen Frau, die wegen leichter Ermüdbarkeit und depressiver Verstimmungen den Arzt aufsucht, werden gleich fünf Röhrchen mit Blut abgenommen und anschließend 24 Laborparameter bestimmt – von Blutzucker über Harnstoff bis hin zu Tumormarkern. Aufgrund verdächtiger Werte schließen sich noch eine Darmspiegelung, eine Ultraschall- und eine Schilddrüsenuntersuchung mit radioaktiven Stoffen an. Kosten insgesamt: 1856 Euro. Gefunden wird schließlich nichts, Baldrian-Tee und Vitamintabletten genügen zur Behandlung.
Für die Experten ist das kein Einzelfall. In deutschen Kliniken werden zurzeit pro Patient durchschnittlich 180 Labortests angefordert, 1965 waren es gerade einmal 18. Eine Ursache der Test-Inflation sehen die Kritiker in dem Beharren der Ärzte auf alten Zöpfen. Nach dem Motto „Das haben wir schon immer so gemacht” würden, um zum Beispiel einen Leberschaden festzustellen, Parameter wie die Aspartat-Aminotransferase (AST) bestimmt, obwohl es längst bessere Testverfahren gebe. Oft würden dann die Methoden parallel eingesetzt. Schuld sei aber auch die steigende Angst der Ärzte, Kunstfehler zu begehen.





