Auch wenn man im 21. Jahrhundert unsichtbare Götter längst nicht mehr zur Beschreibung des Kosmos verwendet, aus wissenschaftlicher Sicht ist damit gar nicht so wenig über Entstehung und Zustand unseres Universums gesagt, wie man glauben möchte. Denn unser Universum ist nicht nur, wie es ist, sondern damit darin Leben vorkommen kann, muss es ziemlich genauso sein, wie es ist. Man nennt das Kosmologische Feinabstimmung – sie besagt im Wesentlichen, dass die Werte von grundlegenden physikalischen Parametern im Universum für das Leben optimiert sind und vielleicht die Existenz von Leben überhaupt erst möglich machen. Würden sich manche Naturkonstanten in unserem Universum nur minimal von ihrem tatsächlichen Wert unterscheiden, wäre ein totes und steriles Universum entstanden. Ohne uns. Klingt ein bisschen nach einer Biergartentheorie. Jemand sitzt vor seinem Radler und erläutert schon leicht illuminiert: „Wenn es anders wäre, wäre es anders.“
Zum ersten Mal wissenschaftlich seriös beschrieben hat das 1913 der amerikanische Chemiker und Biologe Lawrence Joseph Henderson. Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff – alle haben sich genauso im Universum versammelt, frisch gekämmt und geschnäuzt, dass daraus Leben entstehen kann. Wasserstoff und Sauerstoff können sich zu Wasser verbinden, was bekanntlich die Grundlage für Leben ist, wie wir es kennen. Auch andere unterschiedliche chemische Elemente haben unabhängig voneinander genau die nötigen Eigenschaften, um Leben hervorzubringen. „Das sind keine bloßen Zufälle“, schrieb Henderson. „Eine Erklärung muss gesucht werden.“
Legendäre Luftsprünge
Das war vor gut 100 Jahren, und seither haben sich viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Gedanken darüber gemacht. Auch Heinz Oberhummer, Physiker an der TU Wien und Mitbegründer der Science Busters, hat mehr als zehn Jahre seines Forscherlebens einem Teilaspekt der Feinabstimmung gewidmet. Seine Luftsprünge, wenn er auf der Bühne seiner Verblüffung darüber Ausdruck verlieh, waren legendär. Denn auch wenn wir alle und sehr viel um uns herum zu nicht unbeträchtlichen Teilen aus Kohlenstoff bestehen – dass es im Universum Kohlenstoff überhaupt gibt, war lange nicht selbstverständlich. Beziehungsweise schon selbstverständlich, denn er war ja sichtbar für alle da, aber niemand hat gewusst, warum.
Alle Elemente sind in Sternen entstanden, außer Wasserstoff und Helium – die waren schon da. Damit Kohlenstoff entstehen kann, müssen grob gesagt drei Heliumkerne am Ende eines Sternenlebens auf ganz spezielle Weise verschmelzen. Stimmt dabei nur eine Kleinigkeit nicht, dann gibt es keinen Kohlenstoff. Wem das nicht passt, der kann ja rübergehen, in ein anderes Universum. Was eine der möglichen Erklärungen für die Feinabstimmung darstellt. Dass es nämlich nicht ganz so außergewöhnlich ist, wie es scheint, und unser Universum nur eines von unendlich vielen. Und wenn man bei der Erstellung von Universen Carte blanche hat, dann wird bitte auch irgendwann eines dabei sein, das so ist wie unseres.





