Noch mehr Hinweise auf eine feuchte Frühgeschichte des roten Planeten präsentierte Ernst Hauber vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in der vergangenen Woche auf der Tagung der European Planetary Society in Münster. Demnach gab es auf dem Mars Flüsse, Seen – und auch Regen.
Hauber und seine Kollegen analysierten Bilder und Daten von einem Hochland namens Xanthe Terra in der Nähe des Mars-Äquators. Die Aufnahmen stammten von den drei Sonden Mars Express, Mars Global Surveyor und Mars Reconnaissance Orbiter. “Schon seit Jahren wird vermutet, dass das heutige Bild der Landschaft zum Teil von Flüssen geformt worden ist, die sich in die Oberfläche gegraben haben”, sagt Hauber. Dank der neuen Bilder konnten er und seine Kollegen sogenannte digitale Geländemodelle herstellen, durch die die Topographie der Marslandschaft sichtbar wird.
Die Forscher konzentrierten sich auf einen kleinen Krater, in dem sie eine Art Delta vermuteten. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, dass ein Fluss von Süden her in den Krater mündete und mitgebrachte Sedimente fächerförmig verteilte. Fast der gesamte Krater ist mit den Sedimenten gefüllt. Die Forscher ermittelten, dass die Ablagerungen mindestens 50 Meter dick sind und eine Fläche von ungefähr 23 Quadratkilometern bedecken.
Die Form des Sedimentfächers deutet darauf hin, dass sich im Krater ein See befand: Offenbar versickerte der Fluss nicht auf einer trockenen Fläche, sondern mündete in ein stehendes Gewässer. Dort sanken die mitgeführten Sedimente wegen der geringeren Fließgeschwindigkeit des Wassers zu Boden. Die Forscher entdeckten auch einen kleinen Abfluss. “Wenn das Wasser in den Krater hinein und wieder heraus floss, muss es den Krater auch gefüllt haben”, sagt Hauber. Solch eine Konstellation sei auf dem Mars allerdings relativ selten. “Wir sind uns hier und in ein paar anderen Fällen ziemlich sicher, dass Seen auf dem Mars existiert haben.”
Das gesamte Delta könnte sich innerhalb weniger Jahrhunderte oder Jahrtausende gebildet haben, meinen Hauber und Kollegen. Ihren Analysen zufolge liegt die feuchte Vergangenheit des Mars schon lange zurück. Das Gewässernetz bildete sich vor ungefähr 3,8 Milliarden Jahren. Spätestens vor 3,5 Milliarden Jahren trocknete der Mars aber weitgehend aus. Nur aus diesem Grund sind die Sedimente heute überhaupt noch sichtbar: Andauernder Regen hätte die losen Schichten schon längst wieder abgetragen.
Anzeichen dafür, dass sich das Wasser auch im Untergrund seinen Weg suchte, fanden Nasa-Forscher am Boden eines anderen Krates in Äquator-Nähe. Ein von Brüchen durchzogener Sandsteinkomplex zeige, dass große Mengen Grundwasser durch den Fels flossen, berichtet Chris Okubo vom U.S. Geological Survey in Flagstaff (US-Staat Arizona). Für Astrobiologen sind das gute Nachrichten: Auf der Erde bilden grundwasserhaltige Gesteinsschichten einen riesigen Lebensraum für Mikroorganismen, die so genannte tiefe Biosphäre.
Mitteilung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt Chris Okubo (U.S. Geological Survey, Flagstaff, Arizona) et al.: Geological Society of America Bulletin Ute Kehse





