Nervenzellen, die Handlungen einleiten, aber auch auf die Handlungen und Absichten eines anderen Individuums reagieren, heißen Spiegelneuronen. Entdeckt wurden sie Ende der Neunzigerjahre bei Rhesusaffen (Makaken). Seitdem sorgen sie für Spekulationen und werden für menschliche Phänomene wie Nachahmung, Einfühlung, Sprache, Kultur und Moral verantwortlich gemacht (siehe bild der wissenschaft 11/2007, „Nervenbrücke zwischen Du und Ich?”). Doch ob Spiegelneuronen überhaupt im menschlichen Gehirn vorkommen, war unklar. Bis zum 4. November 2007, als Wissenschaftler um den kalifornischen Neuropsychiater Marco Iacoboni auf der Konferenz der Gesellschaft für Neurowissenschaft in San Diego ihre Ergebnisse präsentierten: 34 einzelne Spiegelneuronen hatten sie in den Gehirnen mehrerer Epilepsie-Patienten mit Elektroden dingfest machen können. Die Zellen waren entweder bei Handbewegungen (Tasse greifen) oder mimischen Aktivitäten (Lächeln, Stirnrunzeln) der Patienten beteiligt, reagierten aber auch, wenn diese die Aktivitäten nur im Video oder auf einem Foto beobachteten. Die Forscher fanden Spiegelzellen, deren Reaktion in einer Steigerung der Nervenaktivität (Erregung) bestand und andere, die ihre Aktivität herunterschraubten (Hemmung). Eine dritte Gruppe reagierte komplex: Beim Handeln wurden die Zellen erregt, beim Beobachten gehemmt.





