Der East River, eine langgezogene Meerenge in New York City, ist traditionell stark verschmutzt. Bis heute werden städtische Abwässer in den Ästuar geleitet. Zugleich sorgen Umweltschutzbemühungen dafür, dass sich die Fischpopulationen in dem städtischen Gewässer erholen. Um die Fortschritte zu verfolgen, ist eine regelmäßige Erfassung der Fischbestände wichtig, doch durch die starke Strömung und den felsigen Untergrund lassen sich klassische Methoden wie Fallen und Schleppnetze nur schwer einsetzen.
Spurensuche in Wasserproben
Auf der Suche nach einer einfachen und verlässlichen Methode, um Informationen über die Fische im East River zu gewinnen, kamen die Umweltwissenschaftler Mark Stoeckle und Jesse Ausubel von der Rockefeller University in New York auf die Idee, die Tierwelt im Wasser anhand ihrer Hinterlassenschaften zu untersuchen: Kot, Schleim, Hautzellen und Kadaver geben DNA-Stränge ins Wasser ab, die sich im Labor nachweisen lassen. Von Mai 2024 bis Mai 2025 entnahmen sie jede Woche einen Liter Wasser am Ufer des East Rivers, leiteten es durch einen Filter und untersuchten die DNA in dem, was im Filter hängen blieb.
Und tatsächlich: Die sogenannte Umwelt-DNA (englisch: environmental DNA, eDNA) gab nicht nur Aufschluss darüber, welche Fischarten im East River vertreten waren, sondern die Anteile der jeweiligen DNA-Spuren passten auch gut zu den Populationsgrößen, die anhand von Schleppnetzuntersuchungen geschätzt worden waren. „Wir können rohe DNA-Sequenzdaten in zuverlässige Schätzungen der Bestandsgröße umwandeln“, berichtet Stoeckle. Dabei zeigte sich eine positive Entwicklung: Insgesamt 71 lokale Meeresfische wiesen die Forschenden nach, darunter zwei Arten, die im Vergleich zu früheren Untersuchungen offenbar neu in großer Zahl vertreten waren.
Auch saisonale Schwankungen waren erkennbar. Da einige Arten nur im Sommer im East River leben, stieg die Konzentration an Fisch-DNA in diesen Monaten um das Zehnfache an. Die eDNA spiegelt biologische Dynamiken demnach zuverlässig und genau wider und kann eine einfach durchzuführende Ergänzung zu Schleppnetzuntersuchungen bieten.






