Immer mehr Menschen weltweit sind fettleibig -– ihr Body-Mass-Index (BMI) liegt bei mehr als 30. Auch bei uns in Deutschland ist Adipositas längst keine Randerscheinung mehr, knapp ein Viertel der Bevölkerung ist stark übergewichtig, einen BMI von über 35 haben sogar schon mehr als die Hälfte der Frauen und Männer. Und auch bei jüngeren Menschen nimmt die Häufigkeit von Adipositas in den letzten Jahren immer weiter zu. Viele Folgen eines so stark erhöhten Körperfettanteils sind bereits bekannt. „Adipositas ist ein bekannter Risikofaktor für das metabolische Syndrom, für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und viele andere chronische Leiden“, erklärt Seniorautor Mika Kivimaki vom University College London. Auch einige Krebsarten werden durch starkes Übergewicht begünstigt, wie Studien zeigen. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass ein extrem hoher Körperfettanteil auch manche Immunfunktionen einschränkt.
Bis zu dreifach erhöhtes Risiko
Ob es auch einen Zusammenhang zwischen Adipositas und schweren Verläufen von Infektionskrankheiten gibt, haben nun Kivimaki, Erstautor Solja Nyberg von der University Helsinki und ihre Kollegen erstmals umfassender untersucht. Für ihre Studie werteten sie Daten von 67.000 Teilnehmenden einer finnischen Kohortenstudie und von mehr als 470.000 Teilnehmenden der britischen Biobank-Langzeitstudie aus. Alle Testpersonen waren im mittleren Alter und wurden zu Beginn und im Verlauf der Studien auf ihren Body-Mass-Index und Gesundheitszustand hin untersucht. Ihr medizinischer Werdegang wurde im Mittel 13 bis 14 Jahre hinweg verfolgt, auch Informationen zu Infektionen und ihrem Verlauf findet sich daher in diesen Daten. Nyberg und seine Kollegen werteten für insgesamt 925 bakterielle, virale oder pilzliche Erreger aus, ob es in Bezug auf Infektionshäufigkeit und -schwere einen Unterschied zwischen normalgewichtigen oder adipösen Studienteilnehmenden gab.
Die Auswertungen ergaben, dass Menschen mit starkem Übergewicht häufiger und schwerer an Infektionen erkranken als normalgewichtige. „Mit wenigen Ausnahmen gab es eine eindeutige Dosis-Wirkung-Beziehung zwischen verschiedenen Graden der Adipositas und dem Risiko für schwere Infektionen“, berichten Nyberg und sein Team. Konkret zeigte sich, dass Menschen mit einem BMI über 30 ein 70 Prozent höheres Risiko haben, wegen einer Infektion ins Krankenhaus zu kommen oder an ihr zu sterben. Bei Menschen mit extremer Fettleibigkeit und einem BMI von mehr als 40 war das Risiko für schwere Verläufe sogar um das Dreifache erhöht, wie die Forschenden ermittelten. „Dieser Zusammenhang von Adipositas und schweren Infektionen blieb auch dann noch erhalten, wenn wir andere Risikofaktoren berücksichtigten“, erklärt das Team. Demnach hängt die erhöhte Anfälligkeit für Infektionen nicht damit zusammen, dass adipöse Menschen oft Vorerkrankungen wie Diabetes, metabolisches Syndrom oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben – das erhöhte Infektionsrisiko ist davon unabhängig.





