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Übergewicht macht anfälliger für schwere Infektionen
Gesundheit & Medizin

Übergewicht macht anfälliger für schwere Infektionen

Dass starkes Übergewicht und Adipositas der Gesundheit schaden, ist nicht neu. Bisher bezog sich dies aber primär auf Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Jetzt belegen zwei große Langzeitstudien, dass Übergewicht auch das Risiko für Infektionen und schwere Verläufe solcher Krankheiten erhöht. Menschen mit Adipositas haben demnach ein 70 Prozent höheres Risiko, wegen einer Infektion ins Krankenhaus zu kommen oder daran zu sterben. Bei einem Body-Mass-Index von über 40 liegt das Risiko sogar dreimal so hoch wie für Normalgewichtige. Den Analysen zufolge könnte jeder zehnte Todesfall durch eine Infektionskrankheit auf Adipositas zurückgehen – und dies unabhängig von den durch das Übergewicht verursachten Begleiterkrankungen.
Autor
Nadja Podbregar
10. Februar 2026
Lesezeit
4 Minuten
Rubrik
Gesundheit & Medizin

Immer mehr Menschen weltweit sind fettleibig -– ihr Body-Mass-Index (BMI) liegt bei mehr als 30. Auch bei uns in Deutschland ist Adipositas längst keine Randerscheinung mehr, knapp ein Viertel der Bevölkerung ist stark übergewichtig, einen BMI von über 35 haben sogar schon mehr als die Hälfte der Frauen und Männer. Und auch bei jüngeren Menschen nimmt die Häufigkeit von Adipositas in den letzten Jahren immer weiter zu. Viele Folgen eines so stark erhöhten Körperfettanteils sind bereits bekannt. „Adipositas ist ein bekannter Risikofaktor für das metabolische Syndrom, für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und viele andere chronische Leiden“, erklärt Seniorautor Mika Kivimaki vom University College London. Auch einige Krebsarten werden durch starkes Übergewicht begünstigt, wie Studien zeigen. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass ein extrem hoher Körperfettanteil auch manche Immunfunktionen einschränkt.

Bis zu dreifach erhöhtes Risiko

Ob es auch einen Zusammenhang zwischen Adipositas und schweren Verläufen von Infektionskrankheiten gibt, haben nun Kivimaki, Erstautor Solja Nyberg von der University Helsinki und ihre Kollegen erstmals umfassender untersucht. Für ihre Studie werteten sie Daten von 67.000 Teilnehmenden einer finnischen Kohortenstudie und von mehr als 470.000 Teilnehmenden der britischen Biobank-Langzeitstudie aus. Alle Testpersonen waren im mittleren Alter und wurden zu Beginn und im Verlauf der Studien auf ihren Body-Mass-Index und Gesundheitszustand hin untersucht. Ihr medizinischer Werdegang wurde im Mittel 13 bis 14 Jahre hinweg verfolgt, auch Informationen zu Infektionen und ihrem Verlauf findet sich daher in diesen Daten. Nyberg und seine Kollegen werteten für insgesamt 925 bakterielle, virale oder pilzliche Erreger aus, ob es in Bezug auf Infektionshäufigkeit und -schwere einen Unterschied zwischen normalgewichtigen oder adipösen Studienteilnehmenden gab.

Die Auswertungen ergaben, dass Menschen mit starkem Übergewicht häufiger und schwerer an Infektionen erkranken als normalgewichtige. „Mit wenigen Ausnahmen gab es eine eindeutige Dosis-Wirkung-Beziehung zwischen verschiedenen Graden der Adipositas und dem Risiko für schwere Infektionen“, berichten Nyberg und sein Team. Konkret zeigte sich, dass Menschen mit einem BMI über 30 ein 70 Prozent höheres Risiko haben, wegen einer Infektion ins Krankenhaus zu kommen oder an ihr zu sterben. Bei Menschen mit extremer Fettleibigkeit und einem BMI von mehr als 40 war das Risiko für schwere Verläufe sogar um das Dreifache erhöht, wie die Forschenden ermittelten. „Dieser Zusammenhang von Adipositas und schweren Infektionen blieb auch dann noch erhalten, wenn wir andere Risikofaktoren berücksichtigten“, erklärt das Team. Demnach hängt die erhöhte Anfälligkeit für Infektionen nicht damit zusammen, dass adipöse Menschen oft Vorerkrankungen wie Diabetes, metabolisches Syndrom oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben – das erhöhte Infektionsrisiko ist davon unabhängig.

Verantwortlich für jeden zehnten infektionsbedingten Todesfall weltweit

Insgesamt legen die Daten nahe, dass weltweit einer von zehn Todesfällen durch Infektionen durch Adipositas mitverursacht wurde und potenziell vermeidbar wäre. Während der Covid19-Pandemie stieg dieser Anteil bis auf 15 Prozent, wie die Forschenden berichten. Dabei gibt es jedoch regionale Unterschiede: In Ländern, in denen besonders viele Menschen stark übergewichtig sind, liegt der Anteil noch deutlich höher. So lassen sich in den USA gut ein Viertel aller Infektionsbedingten Todesfälle auf Adipositas zurückführen, in Deutschland sind es 14,7 Prozent. „Damit haben wir nun robuste Belege dafür, dass Menschen mit Adipositas häufiger an Infektionen erkranken und dies bei ihnen schwerere Folgen hat“, sagt Kivimaki. Dieser Zusammenhang bestätigte sich auch, als das Team zehn häufige Infektionskrankheiten genauer analysierte, darunter Influenza, Covid-19, Lungenentzündungen, Gastroenteritis, Blaseninfektionen, HIV oder Tuberkulose. Mit Ausnahme der letzten beiden zeigte sich auch hierbei, dass Menschen mit Adipositas häufiger wegen dieser Infektionen im Krankenhaus behandelt werden müssen oder daran sterben als normalgewichtige.

Als möglichen Grund für die erhöhte Anfälligkeit von stark übergewichtigen Menschen gegenüber Infektionen sehen die Forschenden eine Störung wichtiger Immunfunktionen. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die Adipositas die körpereigene Abwehr gegen Infektionen schwächt. Dadurch sind diese Krankheiten dann schlimmer“, erklärt Kivimaki. „Die Betroffenen stecken sich demnach nicht unbedingt häufiger an, aber die Auswirkungen der Infektion sind bei ihnen schwerwiegender.“ Nach Ansicht des Forschungsteams unterstreicht dies, dass die weltweite Zunahme von Übergewicht dringend gestoppt werden muss. „Wenn die Adipositas-Häufigkeit weltweit weiter ansteigt wie prognostiziert, dann wird es auch immer mehr Krankenhauseinweisungen und Todesfälle durch Infektionskrankheiten geben“, sagt Nyberg. „Wir benötigten daher dringend Maßnahmen, um Menschen beim Abnehmen und Gesundbleiben zu helfen.“ Wichtig für Menschen mit Adipositas sei es zudem, sich die empfohlenen Impfungen verabreichen zu lassen.

Quelle: Solja Nyberg (University Helsinki) et al., The Lancet, doi: 10.1016/S0140-6736(25)02474-2

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