Am 3. Dezember 2018 erreichte die Nasa-Asteroiden-Mission OSIRIS-REx ihr Ziel: den zurzeit rund 110 Millionen Kilometer von der Erde entfernten Asteroiden Bennu. Aufnahmen mit Teleskopen hatten bereits im Vorfeld gezeigt, dass es sich um einen rundlich geformten, sehr dunkel erscheinenden Gesteinsbrocken von rund 500 Metern Durchmesser handelt. Ziel der Mission ist es, diesen Asteroiden genau zu kartieren, sein Verhalten und seine Zusammensetzung zu erfassen und schließlich, eine Probe seines Materials zu nehmen und zur Erde zurückzubringen. Spannend ist dieses Vorhaben aus zwei Gründen: Zum einen ist Bennu relativ alt und ursprünglich und könnte daher wertvolle Einblicke in die Bedingungen zur Anfangszeit des Sonnensystems liefern. Zum anderen aber kommt der Asteroid alle sechs Jahre der Erde relativ nahe – im Jahr 2135 könnte er uns sogar innerhalb des Mondorbits passieren. Auch eine Kollision in fernerer Zukunft können die Astronomen bisher nicht ausschließen. Umso wichtiger ist es, Bahn und Verhalten des Brockens genau zu kennen.
Porös wie ein Geröllhaufen
Jetzt berichten Forscher in gleich sieben Fachartikeln über erste, teilweise überraschende Erkenntnisse aus der OSIRIS-REx-Mission. Die neuen Daten zeigen, dass Bennu zwischen 100 Millionen und einer Milliarde Jahre alt ist – und damit älter als bisher erwartet. Sie bestätigen zudem, dass Bennu im Verhältnis zu seiner Größe die relativ geringe Masse von rund 73 Millionen Tonnen besitzt. Damit liegt seine Dichte bei nur rund 1190 Kilogramm pro Kubikmeter, was für eine hohe Porosität des Brockens spricht. “Mit 50 bis 60 Prozent ist die hohe Porosität von Bennu unvereinbar mit einem monolithischen Objekt”, konstatieren Olivier Barnouin vom Applied Physics Laboratory der Johns Hopkins University und sein Team. “Das ist ein starker Beweis für ein ‘Geröllhaufen’-Inneres.” Demnach ist Bennu kein massiver Brocken, wie es von außen den Anschein hat, sondern ist aus eher lose verbundenen Gesteinstrümmern zusammengesetzt, die primär durch die Schwerkraft zusammengehalten werden.
Diese “Geröllhaufen”-Struktur spricht dafür, dass Bennu bei einer Kollision eines größere Mutterobjekts aus dessen Trümmern entstanden ist. Gestützt wird dies durch die überraschend heterogene Oberflächenstruktur des Asteroiden: “Bennu besitzt nicht die großen Flächen mit feinkörnigem Regolith, von denen wir ausgegangen sind, als wir die Mission geplant haben”, berichten Dante Lauretta von der University of Arizona in Tucson und sein Team. Stattdessen enthüllen die jüngsten Aufnahmen der Raumsonde OSIRIS-REx eine von bis zu 30 Meter großen Felsbrocken und zahlreichen Kratern übersäte Oberfläche. Nach Angaben der Forscher sind diese Felsbrocken viel zu groß, um bei Meteoriteneinschlägen entstanden zu sein. “Sie sind daher wahrscheinlich Relikte von Bennus Mutterobjekt, die er nach dessen Zerstörung akkretiert hat”, so Barnouin und seine Kollegen.





