Ein übergewichtiges Sternenquartett in der großen Magellanschen Wolke gibt Astronomen Rätsel auf. Die vier Giganten, 165 bis 320 Sonnenmassen schwer, liegen deutlich über der bislang angenommenen Obergrenze von 150 Sonnenmassen. Nun hat ein Bonner Forscherteam um Sambaran Banerjee herausgefunden, wie die Monstersterne entstanden sind: durch Kollisionen in Doppelsternsystemen.
Alle vier Schwergewichte befinden sich im Tarantel-Nebel, einem jungen Sternhaufen in der Großen Magellanschen Wolke, in dem so viele Sterne geboren werden wie sonst nirgends in der Nachbarschaft der Milchstraße. Da bislang nirgendwo im Universum Sterne mit mehr als 150 Sonnenmassen entdeckt wurden, wollten die Bonner Forscher testen, ob der normale Prozess der Sternengeburt auch schwerere Kolosse hervorbringen kann, oder ob als Erklärung für die Riesenbabys völlig neue Theorien nötig sind.
Banerjee und seine Kollegen führten dazu eine Computersimulation durch, in der sie die Bewegung von 170.000 jungen Sternen in einem solchen Geburtsnebel simulierten. Sie stellten fest, dass sich viele Doppelsterne bilden, bei denen sich die beiden Partner auf runden Bahnen umkreisen. Doch weil sich in der Nähe weitere Sterne befinden, deren Schwerkraft an so einem Paar zerrt, werden die Bahnen im Laufe der Zeit immer länglicher. Schließlich prallen die beiden Partner zusammen und verschmelzen zu einem größeren Gasball. Schon nach einer Million Jahre, das zeigt die Simulationsrechnung, bilden sich Monstersterne vom Kaliber der vier Riesen aus der Großen Magellanschen Wolke.
?Die Physik von Kollisionen zweier massereicher Sterne ist zwar extrem kompliziert?, sagt Banerjee. ?Aber wir glauben trotzdem, dass dies eine Erklärung für die Monstersterne im Tarantel-Nebel ist.? Sein Kollege Pavel Kroupa, ebenfalls aus Bonn, ist mit dem Ergebnis zufrieden: ?Die Existenz von ultramassiven Sternen ist nun viel leichter zu erklären. Der Prozess der Sternenentstehung ist offenbar doch überall der gleiche.?
Sambaran Banerjee (Universität Bonn) et al: Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, im Druck © wissenschaft.de – Ute Kehse





