Im Devon lauerte ein Räuber auf dem Meeresboden, dem nichts entging. Die Trilobitenart Erbenochile erbeni hatte turmförmige Augen, die einen Rundblick von 360 Grad ermöglichten, berichten amerikanische Paläontologen im Fachmagazin Science (Bd. 301, S. 1689).
Die bemerkenswerten Komplexaugen des Gliederfüßers ragten wie zwei Türme aus dem Kopf heraus und trugen jeweils über 500 Einzelaugen. Außerdem waren die Sehorgane durch eine Art Schirm vor einfallendem Streulicht von oben geschützt. So hatten die Trilobiten einen optimalen Blick über den Meeresboden und konnten potenzielle Beutetiere in großer Entfernung scharf erkennen, schreiben Richard Fortey von der Oxford University und Brian Chatterton von der University of Alberta.
Die Trilobiten gehörten zu den häufigsten Lebewesen des Erdaltertums. Sie tauchten kurz nach der so genannten “Explosion des Lebens” am Anfang des Kambriums auf und hatten schon damals hoch entwickelte Augen. Die von Fortey und Chatterton vorgestellte Art, die vor 380 Millionen Jahren im heutigen Marokko über den Meeresboden kroch, war bislang nur durch ihr Hinterteil bekannt.
Die beiden Trilobiten-Experten beschreiben jetzt erstmals ein komplettes Exemplar, bei dem die Augen das hervorstechendste Merkmal sind. Der Schirm am oberen Ende der Augen deute darauf hin, dass die Erbenochile tagsüber jagte. “Ein solches Visier wäre nachts von geringem Nutzen?, schreiben Fortey und Chatterton.
Ute Kehse





