Das Aids-Virus HIV trickst das Immunsystem noch erfolgreicher aus, als man bisher dachte – das könnte den Erfolg von Aids-Impfstoffen gefährden. Bislang hatten die Forscher vor allem die Beziehungen zwischen dem Virus und einer bestimmten Gruppe von Immunzellen untersucht, den T-Zellen. Nur an diese Kampfzellen des Immunsystems können die Viren andocken, eindringen und sich darin vermehren – so war die Lehrmeinung. Jetzt entdeckte Susan Moir vom Staatlichen Institut für Allergien und Infektionskrankheiten in Washington, daß sich HIV auch an andere Immunzellen anlagert: an die B-Zellen, die Produzenten der Antikörper. Als Einstiegshilfe benutzen die Viren das Komplementsystem, die schnelle Eingreiftruppe der Körperabwehr gegen Viren und Bakterien. Sie greift die Krankheitserreger noch vor den B- oder T-Zellen an. HIV nutzt das, packt einen Bestandteil des Systems, das C3, heftet sich mit seiner Hilfe an eine B-Zelle, um tiefer in den Körper einzudringen und beginnt schließlich in den T-Zellen das tödliche Werk. Dieser Trick gelingt um so besser, je mehr Antikörper der Körper gegen HIV besitzt. Damit könnte ein Impfstoff gegen Aids eine HIV- Infektion sogar erleichtern.
Hans Groth





