Erstmals trat die Südsee mit den Entdeckungsfahrten des Franzosen Louis Antoine de Bougainville und des Engländers James Cook (zweite Hälfte 18. Jahrhundert) in das öffentliche Bewusstsein Deutschlands. Großen Anteil hatte daran die Reisebeschreibung Georg Forsters, der Cook auf der zweiten Reise begleitet und darüber einen folgenreichen Bericht verfasst hatte. Auch wenn seine „Reise um die Welt“ zum Tahiti-Mythos beitrug („Nach allem, was wir auf dieser Insel gesehen und erfahren, dünkte sie uns … einer der glücklichsten Winkel der Erde“), verlieh er jener Welt doch realistischere Konturen. Dennoch führte das um die Wende zum 19. Jahrhundert ausbrechende „Tahiti-Fieber“ zu phantastischen Projekten wie der „Poeteninsel“ eines Göttinger Dichterkreises oder dem staatsfrei-demokratischen Gemeinwesen, das 14 Studenten, die Tübinger Geheime Gesellschaft, im Jahr 1808 auf Tahiti errichten wollten (sie wurden jedoch denunziert). Ansonsten diente die Südsee eher als Vorlage für Romane etwa von Adelbert von Chamisso und Friedrich Gerstäcker.
Seit der Jahrhundertmitte geriet die pazifische Inselwelt ins Blickfeld deutscher Handelsfirmen, allen voran des Hamburger Handelshauses Johann Cesar Godeffroy & Sohn. Von Valparaiso (Chile) aus bauten die Nachfahren französischer Hugenotten ein regelrechtes Handelsimperium in der Südsee auf, mit Schwerpunkt in Apia auf Upolu (Samoa). In einem weitmaschigen Netz erstreckte es sich von den Gesellschafts- über die Fidschi- bis zu den Karolinen- und Palau-Inseln und umfasste ausgedehnte Kokosnuss- und Baumwollpflanzungen.
Erstes konkretes Kolonialobjekt wurde Neuguinea, die größte melanesische Insel. 1526 entdeckt, war sie zunächst in Vergessenheit geraten und wurde erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Anziehungspunkt für europäische Händler. Der Westteil der Insel gehörte zu Niederländisch-Indien (Indonesien), im Südteil wurden die Ansprüche der Australier schließlich als vorrangig anerkannt. 1882 nahm sich ein von dem Bankier Adolph von Hansemann und anderen gebildetes Neuguinea-Konsortium vor, den nordöstlichen Teil der Insel zu erwerben; zwei Jahre später sicherte der Forschungsagent Otto Finsch dem Konsortium durch mehrere Erwerbsverträge ein Gebiet von mehr als 200000 Quadratkilometern.
Nachdem diese Erwerbungen den gleichen kaiserlichen Schutz wie die afrikanischen Investitionen der Hansestädte zugesichert erhalten hatten, erhielt der deutsche Generalkonsul in Sydney, Gustav von Oertzen, den Befehl, an der Nordküste Neuguineas und über dem Archipel von Neubritannien die deutsche Flagge zu hissen, Ende 1884 zog man an verschiedenen Stellen Nordost-Neuguineas, auf Neubritannien und umliegenden Inseln die deutsche Fahne auf. Ohne Schwierigkeiten gelangten auch die „unbestritten herrenlosen“ mikronesischen Marshall-, Providence- und Brown-Inseln in die deutsche Schutzsphäre. 1886 grenzten England und Deutschland ihre Interessensphären ab: Neben Nordost-Neuguinea (Kaiser-Wilhelms-Land) und dem Archipel von Neubritannien (seit 1885 offiziell „Bismarck-Archipel“ mit den Inseln Neu-Mecklenburg, Neu-Lauenburg und Neu-Pommern) verblieben die westlichen Salomonen mit den Eilanden von Buka, Bougain‧ville, Choiseul und Isabella in deutschem Besitz. Die bis heute gültige Bezeichnung Bismarck-Archipel geht auf einen Vorschlag von Oertzens zurück.




