von KURT DE SWAAF
Es schneit. Langsam rieselt ein steter Strom aus Flocken herab, die weiß im Scheinwerferlicht leuchten. Außerhalb des Kegels herrschen totale Finsternis und Stille. Eine winterliche Fahrt durch den Schwarzwald? Weit gefehlt. Szenen wie diese bekommen Forscher über die Kameras von Tauchrobotern zu Gesicht. Wenn die Geräte in der Tiefsee herumdüsen, tun sie dies oft in einem mehr oder weniger dichten Dauerschauer aus sogenanntem Meeresschnee. Er ähnelt seinem atmosphärischen Gegenstück gleichwohl nur auf den ersten Blick. Meeresschnee besteht nicht aus Eiskristallen, sondern zum größten Teil aus organischem Material: einem Durcheinander von toten Algen, Kotpartikeln, Schleimfetzen und kleinen Tierkadavern. Das Ganze ist zudem von Bakterien besiedelt. Sie zersetzen den marinen Mulch und verändern zugleich seinen Nährwert. Denn die Flocken dienen auch vielen größeren Lebewesen als Futter: des einen Abfall, des anderen Brot.





