Endlich mal ein Artikel über ein Verfahren, das Kohlendioxid in einem chemischen Prozess nutzt und damit echt recycelt. Aber wir sollten uns nicht auf diesem Schaum ausruhen. Die Chemie ist immer noch gefragt, aus Wasserstoff und Kohlendioxid Kohlenwasserstoffe zu produzieren, die gasförmig oder besser flüssig als Treibstoff für Kraftfahrzeuge eingesetzt werden können. Dies wäre vermutlich vernünftiger, als den Strom in Nischenprodukte wie Lithium-Ionen-Akkus oder Titan-Wasserstoffspeicher zu stecken.
Die Forcierung des reinen Elektroantriebs für Kraftfahrzeuge ohne Alternative würde uns in die Zeit der Postkutschen zurückwerfen, wenn in relativ kurzen Abständen die „Pferde” gewechselt werden müssten. Diese Lösung ist für den Stadtverkehr sinnvoll, aber für Entfernungen von mehreren hundert Kilometern untragbar. Die Synthese von Kohlenwasserstoffen aus Kohlendioxid plus Wasserstoff könnte zum Exportschlager werden, und wir würden unser Hauptexportgut, das Automobil, nicht behindern.
Glaubt etwa irgendjemand, dass sich die Mehrheit der Nationen für Lithium-Ionen-Akkus oder gar Wasserstoffspeicher interessieren wird, solange noch Treibstoff aus anderen Quellen gewonnen werden kann? Eher würde man den letzten Regenwald abholzen und durch Maisfelder ersetzen.
Dr. Peter Maier-Komor, Diplom-Physiker, per E-Mail
Frust am Fenster
Heft 7/2012
Ihre Informanten kommen wohl aus der Betriebstechnik der Mobilfunkbetreiber. Hier spielt die Hochfrequenztechnik offensichtlich keine Rolle mehr.
Heute werden Mobilfunkmasten von Rechtsanwälten vor Gericht durchgepaukt. Die Firmen stellen keine teuren Fachleute mehr ein. Angelernte Kräfte – dies können auch Schmalspur-Ingenieure sein – bedienen in der Funkplanung ein Rechnertool und nehmen die Ergebnisse kritiklos hin. Die Behörden, zum Beispiel im Regierungspräsidium, scheuen sich davor, sich mit den Funkbetreibern anzulegen, sie selbst haben keinerlei Sachkenntnisse.
Probleme, die nur mithilfe genauer Kenntnisse der Antennentechnik und des Funkfeldes gelöst werden können, bleiben unbearbeitet beziehungsweise werden nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum” abgearbeitet. Dazu kommen technische Totgeburten wie UMTS, die nur am Leben erhalten werden, weil niemand den Irrweg eingestehen will. Jeder hofft, dass es unauffällig von einem Folgesystem abgelöst wird.
Eine Abdeckung von Gebieten mit geringer Bevölkerungsdichte ist unwirtschaftlich. Wo nur gelegentlich ein Wanderer hinkommt oder alle paar Stunden ein Zug fährt, werden Funklöcher deshalb bewusst in Kauf genommen.
Prof.i.R. Dr.-Ing. Walter Buck, per E-Mail
Der Traum vom unversehrten Leib
Heft 6/2012
Die Behauptung, dass für viele Männer Narben noch immer ein Zeichen für Mut und Tapferkeit seien, ist abwegig. Und wenn Sie als Beleg den „Schmiss” heranziehen, den sich angeblich Korpsstudenten nach wie vor beim Fechten zulegen, haben Sie offensichtlich keine Ahnung von der Mensur.
Einen Schmiss legt man sich nicht zu. Beim Fechten wird alles Können darangesetzt, einen Schmiss zu vermeiden, was leider nicht immer gelingt, weil die Deckung nicht immer perfekt ist. Außerdem versucht der Sekundant, rechtzeitig einzugreifen. Vor allem aber gibt es eine Reihe von Schutzmaßnahmen, die die Verletzungsgefahr minimieren.
E. Willenbrock, per E-Mail
Die göttliche Unendlichkeit
!Beutelspacher Heft 7/2012
Die Rubrik „!Beutelspacher” in Heft 7 hat mir besonders gefallen, weil ich mit meiner Schwester – als wir noch mit dem Ranzen auf dem Rücken vor 85 Jahren in die Schule marschierten – dasselbe Spiel wie die Beutelspacher-Kinder gespielt haben.
Meine Schwester, ein Jahr jünger als ich, malte sich immer Phantasiewesen aus. Und es ging darum, welche am ältesten wurden: „Meine werden hundert Jahre alt.” „Meine tausend Jahre.” „Meine eine Million.” „Meine eine Milliarde.” „Meine werden so alt wie das Ende der Zahlen.” „Meine werden doppelt so alt, wie das Ende der Zahlen ist.” „Meine werden zehnmal so alt.” „Meine werden so alt wie das Ende der Zahlen mal dem Ende der Zahlen!”
Ich fragte dann meinen Onkel, der Mathematiklehrer war, wie hoch das Ende der Zahlen sei. Die Antwort: „Die Zahlen haben gar kein Ende.” Diese Antwort verwunderte mich sehr, obwohl wir ja, ohne es zu bemerken, gezeigt hatten, dass es so ist.
Dr. Heinz Erhard, per E-Mail
Das Riesen-Renten-Missverständnis
Heft 4/2012
Im Großen und Ganzen kann man dem Artikel nur zustimmen. Man sollte sich aber nicht wundern, wenn ein großer Teil der Bevölkerung der geplanten Rente mit 67 kritisch gegenübersteht. Solange drei bis fünf Millionen Menschen in der Bundesrepublik offensichtlich nicht gebraucht werden, solange man (auch unter den angeblich gesuchten Naturwissenschaftlern und Ingenieuren) entweder „zu wenig Erfahrung” hat oder „zu alt” ist, wäre es volkswirtschaftlich sinnvoller, erst einmal das vorhandene Arbeitskräftepotenzial zu nutzen.
Dr. Dietrich Unverzagt, per E-Mail





