Weitaus gefährlicher ist da schon der Biss eines Mitmenschen. Und der kommt erstaunlicherweise gar nicht so selten vor. Denn dass ein Mensch einen anderen beißt, geschieht durchaus nicht nur im Verlauf einer handfesten Auseinandersetzung, sondern zu rund einem Fünftel der Fälle beim leidenschaftlichen Liebesspiel. Fatal daran ist weniger der Schmerz, den der Gebissene – abhängig von Ort und Tiefe der Wunde – erleidet, sondern vielmehr die hohe Infektionsgefahr. Dabei geht es gar nicht um die Übertragung gefährlicher Erreger wie Aids- oder Hepatitis-Viren, vielmehr beherbergt jeder von uns in seinem Mund eine ganze Menge potenziell krank machender Keime – tatsächlich weit mehr als im Maul eines Hundes leben. Und die gelangen über die Bisswunde in den Körper des anderen Menschen, wo sie üble Auswirkungen haben können. Während es nach Hundebissen nur bei jedem Zehnten zu gefährlichen Infektionen kommt, geschieht das beim Biss eines Menschen durchschnittlich bei jedem Vierten.
Besonders häufig, nämlich bei rund einem Drittel der menschlichen Bissverletzungen, finden sich hochaggressive Bakterien vom Typ Eikenella corrodens, die an den unterschiedlichsten Organen Entzündungen verursachen und mit Antibiotika nur schwer in den Griff zu bekommen sind. Das liegt vor allem daran, dass beim Biss massiv Gewebe gequetscht wird, wodurch tiefe Spalten entstehen, in die kaum Blut und Sauerstoff gelangt. Das führt dazu, dass viele der umgebenden Zellen absterben. In diesen schwer zugänglichen Schlupfwinkeln können sich die Keime derart vermehren, dass sich aus der lokalen Wundinfektion leicht eine generalisierte Infektionskrankheit entwickeln kann. Bei Kleinkindern und Menschen mit Immunschwäche ist das Risiko einer Ausbreitung der Erreger besonders hoch.
Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten Menschen zwar nach dem Biss eines Hundes unverzüglich einen Arzt aufsuchen, während sie das bei einem Menschenbiss nur selten tun – bei erotischen Bissen vor allem aus Scham oder falsch verstandenem Stolz, aber auch, weil sie die Verletzung für harmlos halten. Die Folge ist, dass die Wunde viel zu spät oder überhaupt nicht behandelt wird. Und ohne fachkundige Desinfektion und gegebenenfalls weitere ärztliche Maßnahmen wie das Entfernen von abgestorbenem Gewebe kann eine solche Wundinfektion tödlich enden. Spätestens wenn die verletzte Hautpartie 24 Stunden nach dem Biss noch immer deutliche Zeichen einer Entzündung – Rötung, Schwellung und Schmerzen – aufweist, ist ärztliche Hilfe unbedingt erforderlich.





