Im Herzen der Milchstraße und anderer Galaxien liegen gigantische Schwarze Löcher, die mehrere Millionen bis Milliarden Sonnenmassen in sich vereinen. Ihre enorme Schwerkraft beeinflusst das Verhalten vieler Sterne und Gaswolken in den galaktischen Zentren. Die meisten dieser zentralen Schwarzen Löcher sind allerdings eher inaktiv und senden kaum Strahlung aus. Das aber kann sich schnell ändern, wenn ein Stern oder ein anderes Objekt dem Schwarzen Loch zu nahekommt. Schon vor rund 30 Jahren sagten Astronomen voraus, dass der Stern dann angezogen und von den ungeheuren Gezeitenkräften des Schwarzen Lochs zerfetzt werden würde. Übrig bleibt eine rotierende Scheibe aus Sternenmaterial, von der große Mengen Strahlung und extrem stark beschleunigte Materiejets ausgehen.
Strahlenschub aus ferner Galaxie
Doch obwohl solche sogenannten Tidal Disruption Event (TDE) rein theoretisch im Kosmos häufiger vorkommen müssten, ist es Astronomen bisher nur selten gelungen, sie nachzuweisen. “Die Bildung und Entwicklung eines Jets bei einem solchen Ereignis haben wir nie zuvor direkt beobachten können”, sagt Co-Autor Miguel Perez-Torres vom Astrophysikalischen Institut Andalusiens in Granada. Jetzt ist den Astronomen ein kosmischer Zufall zu Hilfe gekommen. Denn eigentlich suchten sie in einem Cluster verschmelzender Galaxien – Arp 299 genannt – nach neuen Supernovae. Tatsächlich entdeckten sie am 30. Januar 2005 einen hellen Puls starker Infrarotstrahlung aus dem Herzen einer dieser rund 150 Millionen Lichtjahre von uns entfernten Galaxien. Wenig später registrierten auch die Radioteleskope des Very Long Baseline Array (VLBA) eine verstärkte Radiowellen-Emission von dieser Stelle.
Was aber war der Auslöser? Theoretisch könnte die Strahlung sowohl von einer Supernova oder einem Gammastrahlen-Ausbruch als auch von dem Kollaps eines Sterns am Schwarzen Loch ausgehen. Bei Letzterem müsste aber eigentlich auch Strahlung in anderen Wellenlängenbereichen entstehen und zu detektieren sein – doch das war nicht der Fall. “Als die Zeit verging, blieb das neue Objekt sowohl im Infrarot- als auch in Radiobereich hell, Röntgen und sichtbares Licht aber fehlten”, berichtet Erstautor Seppo Mattila von der Universität Turku. Um der Sache auf den Grund zu gehen, behielten die Astronomen das rätselhafte Geschehen über die Jahre hinweg weiter im Auge und schalteten neben dem VLBA auch die Radioteleskope des europäischen Radioteleskop-Netzwerks EVN hinzu.





