Bei ihrem siebten Besuch beim Saturnmond Titan hat die Raumsonde Cassini erstmals Hinweise auf eine größere Flüssigkeitsansammlung gefunden: Auf den Radarbildern ist eine Küstenlinie zu sehen, die eine konturlose schwarze Fläche begrenzt. Mehrere mäandrierende Zuflüsse münden in diesen mutmaßlichen See, berichtet die Nasa.
Auf der minus 179 Grad Celsius kalten Oberfläche Titans kann es freilich keine Seen aus flüssigem Wasser geben. Da die Titan-Atmosphäre relativ viel Methan enthält, vermuteten Planetenforscher schon seit längerem, dass auf dem zweitgrößten Mond des Sonnensystems Methan-Meere existieren könnten, die durch einen Methanzyklus aus Verdunstung, Wolken und Regen gespeist werden. In dem flüssigen Methan könnte ein gewisser Anteil komplizierterer Kohlenwasserstoffe enthalten sein, mutmaßten Forscher.
Sowohl Cassini als auch die Landefähre Huygens fotografierten zwar gewundene Kanäle auf der Oberfläche, die irdischen Flusssystemen erstaunlich glichen. Anzeichen für flüssiges Methan fehlten bislang allerdings. Das ließ einige Forscher vermuten, dass es auf Titan nur selten, dafür aber sintflutartig regnet.
Einige der Zuflüsse zu dem jetzt entdeckten See haben sich recht tief ins Gelände eingegraben und besitzen nur wenige Verästelungen, andere Systeme sind komplizierter. “Einige Zuflüsse könnten aus Quellen gespeist werden, andere durch Methanregen”, sagte Larry Soderblom vom US Geological Survey in Flagstaff, Arizona, dem Wissenschaftsmagazin New Scientist.
Der hintere Rand des Sees ist auf den Cassini-Bildern nicht zu sehen. Durch eine Kombination von zwei Fehlern ging die Hälfte der Radardaten des letzten Vorbeifluges verloren, berichtet der New Scientist. Da Cassini die Region bei den kommenden 37 Begegnungen nicht erneut unter die Lupe nehmen wird, bleibt die Ausdehnung des Methan-Gewässers menschlichen Augen wohl vorerst verborgen.
Ute Kehse





