Nahe dem Südpol des Saturnmonds Titan gibt es riesige Vorkommen an flüssigem Gas: Amerikanische und deutsche Forscher haben nun zum ersten Mal zweifelsfrei nachgewiesen, dass das Ontario Lacus genannte Gebiet tatsächlich ein See mit flüssigen Kohlenwasserstoffen ist. Hauptbestandteil ist Ethan mit Beimengungen von Methan, anderen Kohlenwasserstoffen und Stickstoff. Die Forscher werteten von der Raumsonde Cassini aufgenommene Infrarotaufnahmen der Titanoberfläche aus. Die Aufnahmen bestätigen die bisherigen Vermutungen über Kohlenwasserstoffseen auf Titan.
Titan, der zweitgrößte Mond im Sonnensystem, hat eine dichte Atmosphäre aus Stickstoff und Wolken aus Kohlenwasserstoffen. Das erschwert die Beobachtung der Oberfläche mit den Kameras auf der Raumsonde Cassini. In wenigen schmalen Wellenlängenbereichen ist die Atmosphäre jedoch durchsichtig. Auf diese schmalen “Beobachtungsfenster” im infraroten Spektralbereich bei zwei, zweieinhalb und fünf Mikrometern Wellenlänge hatten es die Forscher beim 38. Vorbeiflug der Raumsonde am Titan abgesehen. In den Infrarotbildern entdeckten die Forscher zweifelsfrei die molekulare Signatur des Kohlenwasserstoffs Ethan auf der Oberfläche. Bei den herrschenden Oberflächentemperaturen von etwa minus 180 Grad Celsius muss es dort flüssig vorliegen, schlossen die Forscher.
“Damit haben wir zum ersten Mal flüssiges Ethan auf dem Titan nachgewiesen”, sagt Ralf Jaumann vom Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahr in Berlin gegenüber wissenschaft.de. Jaumann hat die Infrarotbilder ausgewertet. Schon seit den 70er-Jahren gebe es theoretische Überlegungen über flüssige Kohlenwasserstoffe auf dem Titan. Und seit einigen Jahren haben Messungen mit Radarwellen, die die Titanatmosphäre ungehindert durchdringen, große flache Areale auf der Oberfläche gezeigt. Ein direkter Nachweis für flüssige Substanzen auf Titan war dies jedoch nicht.
In den Modellvorstellungen der Forscher setzen Vulkane Methan frei, das in die Atmosphäre gelangt und dort durch chemische Prozesse teilweise in Ethan umgewandelt wird. Dieses Ethan regnet dann ab und bildet den Ontario Lacus. “Wir haben dort eine riesige Pfütze mit flüssigem Erdgas”, sagt Jaumann. Den See benannten Forscher nach dem Lake Ontario in Nordamerika, der eine ähnliche Form und mit 300 Kilometern Länge auch ähnliche Ausmaße besitzt.
Robert Brown (University of Arizona, Tucson) et. al.: Nature, Bd. 454, S. 607 ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer





