Von Elena Bernard
Wenn sich bei Pandas die Paarungsbereitschaft ankündigt, ist genaues Timing gefragt. Denn die Weibchen werden nur ein einziges Mal im Jahr empfängnisbereit – und das nur für etwa 24 bis 72 Stunden. Erfolgt in dieser Zeit keine Befruchtung, vergeht ein ganzes Jahr, bis die nächste Chance besteht. In Vorbereitung auf die wichtigsten Stunden des Jahres schwellen bei den Männchen schon Monate im Voraus die Hoden an und produzieren verstärkt Spermien. Doch auch wenn Pandas als Paradebeispiel für schwierige Fortpflanzung gelten, ist ihr Sexualzyklus mit nur wenigen fruchtbaren Tagen im Jahr im Tierreich keinesfalls einzigartig. Auch Rehe, Hirsche und Füchse durchlaufen den Östrus, also die empfängnisbereite Phase, nur einmal im Jahr – sie sind monoöstrisch. Hündinnen dagegen werden zweimal im Jahr läufig, sind also diöstrisch.
Die meisten Nutztiere hingegen sind polyöstrisch. Bei manchen von ihnen, darunter Pferden, Ziegen und Schafen, begrenzen sich die fruchtbaren Phasen zwar auf bestimmte Monate des Jahres. In diesen folgt jedoch in kurzem Abstand ein Zyklus auf den nächsten. Wurde beispielsweise eine rossige Stute während eines Östrus nicht befruchtet, ist sie drei Wochen später erneut empfängnisbereit. So geht es weiter bis zum Ende der Paarungssaison. Andere dagegen, darunter Kühe und Schweine, haben das ganze Jahr über mehr oder weniger regelmäßige Zyklen, ähnlich wie wir Menschen. Der Brunstzyklus verläuft dabei bei fast allen Säugetieren nach dem gleichen Grundmuster. Während ihrer empfängnisbereiten Tage paaren sich viele Weibchen mehrfach, auch mit unterschiedlichen Männchen. Bei einigen Tierarten, darunter Feldhasen, ist es daher möglich, dass der Nachwuchs innerhalb eines Wurfes von unterschiedlichen Vätern stammt.
Vorteile für die Zucht
In der Natur ist es für viele in Gruppen lebende Tiere vorteilhaft, wenn ihre fruchtbaren Tage gleichzeitig stattfinden. Das reduziert zum einen den Stress während der Paarungszeit und ermöglicht zum anderen, dass alle Jungtiere zur gleichen Zeit geboren werden. So können sich die Muttertiere bei der Aufzucht unterstützen. Elefanten, Gnus, Löwen und viele weitere Tiere sind deshalb in der Lage, ihren Brunstzyklus durch hormonelle und verhaltensmäßige Signale zu synchronisieren.
Auch in der Nutztierindustrie spielt die Brunstsynchronisation eine wichtige Rolle. Mithilfe von Hormonen sorgen die Produzenten von Schweinen und Rindern dafür, dass alle Weibchen gleichzeitig bereit für die künstliche Besamung sind. So lassen sich die Betriebsabläufe besser planen und die Jungtiere sind alle gleichzeitig soweit, um für die weitere Mast verkauft zu werden.
Dadurch steigen jedoch nicht nur die Profite. Auch der Antibiotikaeinsatz lässt sich dadurch verringern. Denn wenn alle Schweine gleichzeitig aus dem Stall kommen, kann dieser danach gründlich desinfiziert werden.





