In einem opulenten Bildband ist nun eine Auswahl der eindrucksvollsten Aufnahmen des Fotografen aus der DDR erschienen. Billhardt, der 1937 in Chemnitz geboren wurde, kam über seine Mutter zum Fotografieren, die ein Atelier in der sächsischen Großstadt besaß. Dort ging der Sohn bei der Mutter in die Lehre, 1954 folgten ein Studium der Angewandten Kunst in Magdeburg und 1959 ein weiteres Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Über Kontakte zur FDJ wurde Billhardt 1961 der erste große Auftrag vermittelt: Eine Reportagereise ins revolutionäre Kuba. Trotz Mauerbaus kehrte der junge Fotograf danach in die DDR zurück und konnte mit seinen Bildern überzeugen. Im Laufe seiner Karriere besuchte er neben Kuba unter anderem die Sowjetunion, Chile, Nicaragua, Bangladesch, Kambodscha, Mosambik, China und immer wieder auch Vietnam.
Mit viel Empathie schildert Steffen Lüddemann in einem einleitenden Essay die Stationen in Billhardts Leben. Mit viel Empathie auch deswegen, weil er mit Phasen wie Billhardts Eintritt in die SED und der größtenteils unkritischen Haltung des Fotografen gegenüber dem ostdeutschen Regime großzügig umgeht: Meist räumt ein versöhnliches Zitat Billhardts alle Ungereimtheiten aus dem Weg.
Die im Bildband nach Reisestationen gegliederten Aufnahmen sprechen hingegen für sich. Billhardt stellt den Fokus seiner Kamera immer wieder schonungslos auf das im Krieg verursachte Leid ein. Kinder, die ums Überleben kämpfen, Großmütter, die am Leichnam des toten Enkels trauern und Waffen in den Händen derer, die zu jung dafür sind. Doch es ist auch wiederkehrend das Motiv der Hoffnung, das Billhardt festhält, wie bei den Liebenden von Hanoi. Billhardt schafft es außerdem, Freude einzufangen; dort, wo man sie vielleicht am wenigsten erwartet.
Seine Bilder prägten die Menschen in der DDR: Oft ließ der Staat Billhardts Fotografien öffentlich aushängen – die vom Westen begangenen Kriegsgräuel sollten in das Bewusstsein der Menschen eindringen und die voranschreitenden Revolutionen in aller Welt gepriesen werden. Ebenso wird durch Billhardts Aufnahmen das Leben im eingemauerten Osten Deutschlands greifbar. Neben Ulbricht, Honecker und Krenz reihen sich Alltagsszenen aus dem „realexistierenden Sozialismus“ ein – bis einschließlich des Mauerfalls 1989. Nach dem Fall der Mauer arbeitete Billhardt weiter als Fotograf. Seit 2005 wurde der Chemnitzer, dessen Ausstellungen in zahlreichen Ländern zu sehen waren, auch von der UNICEF beauftragt, um auf menschenunwürdige Zustände in ostasiatischen Ländern hinzuweisen.
„Thomas Billhardt. Fotografie“ ist, im wahrsten Sinne des Wortes, ein Abbild der Kriege und Revolutionen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Rezension: Tim Brückmann




