Argentinische Physiker der Universidad Nacional de La Plata haben das Lernverhalten von Schülern in einem Klassenraum simuliert. Sie benutzten dazu das physikalische Ising-Modell, das den Magnetismus in Ferromagneten wie beispielsweise Eisen beschreibt. Das berichtet die American Physical Society.
In dem Modell von Clelia Bordogna und Ezequiel Albano entsprechen die einzelnen Schüler den Atomen. Sie können wie die magnetischen Momente der Atome zwei Werte annehmen. Der Lehrer spielt die Rolle eines äußeren Magnetfeldes. Sein Ziel ist es, die Klasse zu “magnetisieren”, das heißt dafür zu sorgen, dass alle Schüler die richtige Orientierung annehmen, nämlich die, die bedeutet, dass sie den Stoff verstanden haben.
Wie die Atome in einem Eisenstück werden auch die Schüler von anderen Faktoren beeinflusst. Dazu zählt die Orientierung seiner Nachbarn oder “soziale Entropie”, wie beispielsweise ablenkende Gespräche der Schüler untereinander.
Das Modell der beiden Forscher kann einige bereits bekannte Fakten richtig reproduzieren. Beispielsweise zeigt ihr Modell, dass schlechte Schüler schneller lernen, wenn man sie mit guten Schülern zusammenarbeiten lässt. Außerdem zeigt das Modell, dass Gruppenarbeit Schüler generell schneller voranbringt als wenn sie nur dem Lehrer zuhören.
Der Soziologe David Byrne von der Universität von Durham freut sich, dass Physiker sich mit diesem Problem beschäftigen. Seine Begeisterung hält sich aber in Grenzen: “Simulationen sind immer interessant ? in den Sozialwissenschaften kann man nicht viel mehr dazu sagen.” Allerdings fügt er hinzu, dass vor 25 Jahren auch niemand geglaubt hätte, dass man biologische oder ökologische Probleme erfolgreich modellieren könnte.
Axel Tillemans





