Im Mai 2016 kam es zum ersten Mal zu einem tödlichen Unfall bei einem selbstfahrenden Auto. Das Elektrofahrzeug vom Typ Tesla S war an einer Kreuzung gegen einen Lkw geprallt. Das Bildverarbeitungssystem in dem per Autopilot gesteuerten Wagen hatte die drohende Kollision nicht bemerkt. Der Unfall entfachte eine Debatte um die Risiken und die Zukunft des automatisierten Fahrens. bild der wissenschaft gibt Antworten auf neun wichtige Fragen dazu.
Zerstört der Unfall das Image des autonomen Fahrens?
Der Tesla S war bis Juli 2016 eine der beliebtesten Luxuslimousinen in den USA. Weltweit wurden bis Ende 2015 gut 100.000 Stück verkauft. Automobilexperten hatten schon seit Längerem davor gewarnt, dass der Autopilot des Tesla S einen schweren Unfall verursachen könne. Und man fürchtete, dass das autonome Fahren dadurch insgesamt einen Imageschaden bekäme. Doch das scheint nicht der Fall zu sein. Ein Indiz dafür ist, dass sich der Kurs der Tesla-Aktie nach einem kurzen Kurseinbruch nach Bekanntwerden des Unfalls rasch wieder erholte. “Zwar ist Tesla auf negative Weise ins Blickfeld gerückt, auf das autonome Fahren als Ganzes aber scheint das nicht abzufärben. Vielmehr hat das Thema dadurch mehr Öffentlichkeit bekommen”, sagt Reiner Kriesten vom Institut für Energieeffiziente Mobilität (IEEM) an der Hochschule Karlsruhe für Technik und Wirtschaft. Für seinen Kollegen, IEEM-Sprecher Peter Neugebauer, hängt das Image auch von der Reaktion der Medien ab, “davon, ob die Medien den Vorfall verantwortungsvoll aufnehmen und diskutieren, ohne die derzeit leider bei vielen Themen üblichen Shitstorms”. Bislang ist ein medialer Shitstorm gegen Tesla und das autonome Fahren ausgeblieben.
Peter Neugebauer erinnert ans Schicksal der damals neuen A-Klasse von Mercedes. Die Wagen waren 1997 beim “Elchtest”, einem ruckartigen Spurwechsel, leicht umgekippt. Die Folge war ein riesiger Gesichtsverlust. Die Firma entwickelte daraufhin zusammen mit dem Zulieferer Bosch das elektronische Stabilitätsprogramm ESP. Damit ausgerüstet, verkaufte sich die A-Klasse blendend. Ein anfängliches Desaster muss also nicht zwangsläufig auf Dauer zu einem Imageverlust führen.
Wie groß ist das Risiko?
Nach dem Unfall wies Tesla-Chef Elon Musk darauf hin, dass die Tesla S-Fahrzeuge insgesamt bereits 210 Millionen Kilometer ohne einen tödlichen Crash zurückgelegt hätten. Damit seien sie besser als der Durchschnitt laut US-Unfallstatistik, nach der es alle 145 Millionen Kilometer einen Unfall mit Todesfolge gibt. Risikoforscher betonen aber, dass sich mit einem einzigen tödlichen Unfall noch keine Statistik schreiben lässt.





